In Stalins Schatten

Moskau, Schostakowitsch: Lady Macbeth von Mzensk

Opernwelt - Logo

Braucht Moskau wirklich eine Inszenierung der «Lady Macbeth von Mzensk» im Bolschoi Theater, um den Wert dieses Stückes zur Debatte zu stellen? Dass das Meisterwerk des jungen Schostakowitsch selbst in Russ­land nicht mehr tabuisiert wird, haben eine konzertante Aufführung unter Mstislav Rostropowitsch und, noch deutlicher, eine szenische Aufführung im Jahr 2001 an der Helikon-Oper gezeigt, deren Team (Regisseur Dmitri Bertman, Dirigent Wladimir Ponkin, Sängerin Anna Kasakowa) mit zahlreichen russischen Theaterpreisen ausgezeichnet wurde.

Die Tatsache indes, dass Stalin seinerzeit eben im Bolschoi Theater von seiner geheimnisvollen Kulissenloge aus (die bis vor kurzem sogar von Mitarbeitern des Hauses nicht betreten werden durfte) die «Lady» sah und ihr verhängnisvolles  Schicksal besiegelte, scheint eine eigene Produktion zu rechtfertigen.
Nur: Ein großer Wurf ist dabei leider nicht heraus­gekommen. Im Gegenteil: Wo das Werk schreit und brüllt, dort stottert und murmelt die Aufführung bloß. Dabei hat der georgische Regisseur Temur Tschkheidse, der schon lange in einem renommierten Petersburger Schauspielhaus inszeniert und seit Anfang dieser Saison dort Chefregisseur ist, durchaus ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2005
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Alexej Parin

Vergriffen
Weitere Beiträge
Verdi: Don Carlo

Die Welt steht Kopf. Der Escorial eine leere Betonruine mit Fenstern wie hohle Augenlöcher, in der Ecke das gesichts­lose Tizian-Porträt Kaiser Karls V. Einmal öffnet sich die Rückwand für eine unheimliche Flussaue, und auch nach der Pause ist die Bühne nur scheinbar im Lot. Wo in der Mitte bewegliche gläserne Hänger ein Zentrum markierten, ist nun ein Guckkasten...

Der Vulkan aus dem Bidet

Wer aus geordneten deutschen Opernverhältnissen kommt, dürfte verblüfft, vielleicht sogar entsetzt sein über das, was die schlimmsten Vorurteile gegenüber südlichem Schlendrian bestätigt – und dann noch erstaunter, was in diesem chaotischen Umfeld trotzdem möglich ist. Es muss zum besseren Verständnis kurz beschrieben werden. Nehmen wir das Teatro Bellini in...

Erinnerungen einer Narzisse

Schon die fünfjährige Sylvia hat sich gern im Spiegel betrachtet, wie man einem ganzseitigen Schwarzweißfoto in ihrem Erinnerungsbuch entnehmen kann. Auch die 70-jährige Primadonna i. R. genießt die Freuden der Selbstbespiegelung sichtlich, doch diesmal in Form eines Buches, das sie selbst geschrieben hat, da sich der vorgesehene Ghostwriter als unfähig erwies,...