In Posen erstarrt

Händel: Alcina
Karlsruhe | Staatstheater

Opernwelt - Logo

Mit «Alcina» begann 1978 die Geschichte der Karlsruher Händelfestspiele – damals noch auf Deutsch und gekürzt. Jetzt ist man zu dieser wohl populärsten, meistgespielten Oper Händels zurückgekehrt, auf Italienisch und ungekürzt. Mit über vier Stunden Spieldauer wurde es eines langen Abends Reise in die Nacht.

Händels Partitur, die für die erotischen Liebeswirren um die Zauberin Alcina und den von ihr magisch gebannten Ruggiero eine schier unerschöpfliche Fülle an virtuosen, aber stets psychologisch genau die Figur wie die Situation treffenden Arien bereit hält, trägt das.

Umso mehr, als die im Graben agierenden Deutschen Händel-Solisten unter der Leitung von Andreas Spering sich auch diesmal wieder als vorzügliches Orchester erwiesen. Wer bei einem Blick in die Noten meint, Händel habe es sich hier mit der meist streicherlastigen Instrumentalbegleitung allzu einfach gemacht, wird durch die gestische Prägnanz und artikulatorische Brillanz des Spiels eines Besseren belehrt. Und wenn dann bei Ruggieros Liebesschwur «Mio bel tesoro» liebliche Farbtupfer der Blockflöten Alcina in falscher Sicherheit wiegen oder in seiner letzten Arie «Sta nell’ircana» zwei blitzblank intonierende ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2018
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Fabelhafter Irrsinn

«Was für ein buntes Publikum!», ruft Feuerwehr-Käpt’n Shaw mit Blick auf die grauen Löckchen im Saal, wo – typisch Matinee! – schaler Kaffeeatem und weihrauchlastige Parfüms die Luft verdicken. «Ich sehe das Bürgertum – und die gehobene Mittelschicht. Ein wahrer Schmelztiegel!» Die Mittelschicht jauchzt entzückt. Bissiges für alle, Sarkasmus ohne Ende: Der Ton ist...

Rätselhaft klar

Festen Boden hat hier niemand unter den gründerzeitlich beschuhten Füßen. Weder die offenbar halluzinierende, taubenblau hochgeschürzte Frau, um die sich alles dreht. Noch die nachtschwarz gestrenge, am Stock gehende Gouvernante in ihrem Schlepptau. Ganz zu schweigen von jenem befrackten hohen Herrn, der sich auf den schrägen Planken mit verführerischer, meist...

Erdgeist, bleib bei deinen Geistern

Vielleicht war die Verlockung einfach zu groß. Immerhin kommen in Heinrich Marschners Dreiecksdrama ja reichlich arbeitsame Erdgeister vor, die der amtierenden Erdgeisterkönigin und ihrem Königssohn Schätze schaffen, als seien es Wagners Nibelungen. Es wird darin auch das Fest der Heiligen Barbara gefeiert, der Patronin aller Bergleute. Und als kurz vor Schluss das...