Traumnovelle

Weinberger: Schwanda, der Dudelsackpfeifer im Theater an der Wien

Opernwelt - Logo

Auf unserm Hof daheim hört man die Gänse schrein, kräht auch der Hahn»: Vielleicht ist es schon im tschechischen Original nicht unbedingt die erhabenste Poesie, die der verdiente Max Brod hier auf Deutsch nachgebildet hat.

Aber hört man die dazugehörige Musik in Jaromír Weinbergers «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» den Abend über als Leitmotiv eines ländlichen Idylls, vom Horneinsatz in der Ouvertüre bis zum letzten Finale, wo es als Grandioso die Partitur abschließt, verflüchtigen sich die Dünkel: Stattdessen überfällt einen das Heimweh nach Böhmens Hain und Flur – selbst dann, wenn die eigene Wiege anderswo gestanden haben mag. «Schwanda», 1927 uraufgeführt, ist eine Volksoper im wahrsten Sinne. Die rustikale Märchenhandlung bietet immer neue Gelegenheiten zu einem Hochfest böhmischer Musizierlust. Gleichsam salonfähig gemacht wird das durch Weinbergers handwerklich geschickte, klug-geschmeidige Verbindung von Polka und Furiant mit, sagen wir: Präludium und Fuge. Sein Werk, eine kreative Zusammenschau von Einst und Jetzt der tonalen Musik, ist voller Schwung, Sentiment und glänzend instrumentiert.

Es mag der reine Zufall gewesen sein, dass der gebürtige Prager Petr Popelka bei ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Walter Weidringer

Weitere Beiträge
Endlich Licht im Dunkel

Bis vor Kurzem war die wechselvolle Geschichte der französischen Tragédie en musique zwischen dem Tod ihres Schöpfers Jean-Baptiste Lully 1687 und ihrer Erneuerung durch Jean-Philippe Rameau mit seiner ersten, 1733 uraufgeführten Oper «Hippolyte et Aricie» ein schwarzes Loch. Jean-Jacques Rousseaus polemische Bemerkung, es handle sich dabei um «minderwertige...

Altmodisch

Im Teatro Comunale di Modena ist man stolz auf den Dachboden des Gebäudes. Dort finden sich noch handgemalte Originalplakate aus den ersten Spielzeiten, darunter auch die von 1841, dem Jahr der feierlichen Eröffnung – mit Alessandro Gandinis «Adelaide di Borgogna al castello di Canossa», Saverio Mercadantes «Il bravo» und Vincenzo Bellinis «Beatrice di Tenda». Der...

Leere Blätter

Jules Massenet hat den Abschluss seiner Opéra lyrique «Werther» genau notiert: «Samstag, 2. Juli 1887, 11.15 Uhr». Ob er ahnte, dass sein Werk tatsächlich ein Wurf war? Wie Puccinis «La Bohème» ist es ohne Fehl und Tadel, kein Takt zu viel, Libretto und Musik genau verzahnt – und doch im deutschsprachigen Raum nicht von gleicher Popularität; bis in die 1970er-Jahre...