In die Tiefe gebohrt
Kein Geisterschiff bringt in Martin G. Bergers Inszenierung des «Fliegenden Holländers» das Unheimliche an Land – das Grauen wird vielmehr aus der Tiefe geholt, mittels einer Bohrung in die verborgenen psychologischen Abgründe der Figuren. In Wiesbaden bekommt Wagners Oper eine Vorgeschichte. Als das Publikum eintritt, wird auf der Bühne bereits gefeiert: Alle sieben Jahre gibt der Unternehmer Daland eine Party, zu der das ganze Dorf ein -geladen ist (im Piratenkostüm und alkoholenthemmt).
Auf den Tag genau vor 21 Jahren hat seine Frau ihn nach einem ähnlichen Fest verlassen und die damals 14-jährige Tochter mitgenommen. Senta kehrt nun erstmals ins Haus ihres Vaters zurück. Verdrängte Erinnerungen werden dadurch hochgespült; Senta durchlebt den verhängnisvollen Partyabend ihrer Kindheit noch einmal. Der Abend gleicht einem verstörenden Flashback. Heftig aufblitzende Erinnerungssplitter dringen an die Oberfläche. Das Regieteam bannt sie in Bilder, die unter die Haut gehen und sich dort rasierklingenscharf festsetzen. Hier geht es, das wird schnell klar, um Missbrauch.
Im Zentrum der von Alexandre Corazzola entworfenen Bühne, die von Klaus Krauspenhaar wirkungsvoll beleuchtet wird, ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Silvia Adler
Da drob’n auf der goldenen Himmelbastei, / da sitzt unser Herrgott ganz munter / und trinkt a Glas Wein oder zwei oder drei / und schaut auf die Wienerstadt runter»: So sang es einst Georg Kreisler in seinem Lied «Der Tod, das muss ein Wiener sein». Im Januar ist er an der Volksoper wie an der Staatsoper wieder einmal eingezogen, allerdings in unterschiedlichen...
Unter den Werken seiner berühmten Galeerenjahre gilt Verdis Opera buffa «Un giorno di regno» als der Worstseller. Die Verwechslungskomödie um den «falschen» polnischen «König für einen Tag» entpuppte sich als Oper für einen Tag, fiel sie doch bei ihrer Premiere am 5. September 1840 an der Mailänder Scala gnadenlos durch und wurde sofort abgesetzt. Zu Verdis...
Gesundheitsapostel hat es schon vor 100 Jahren gegeben. Einer der schlimmsten: Graf Gil, männliche Hauptperson in Wolf-Ferraris Intermezzo «Il segreto di Susanna», uraufgeführt 1909. Der Herr hasst das Qualmen, selbst auf der Straße fühlt er sich vom Tabaksgeruch belästigt, und im eigenen Haus nimmt seine Überempfindlichkeit ehegefährdende Dimensionen an, vermutet...
