Nicht nur für einen Tag
Unter den Werken seiner berühmten Galeerenjahre gilt Verdis Opera buffa «Un giorno di regno» als der Worstseller. Die Verwechslungskomödie um den «falschen» polnischen «König für einen Tag» entpuppte sich als Oper für einen Tag, fiel sie doch bei ihrer Premiere am 5. September 1840 an der Mailänder Scala gnadenlos durch und wurde sofort abgesetzt. Zu Verdis Lebzeiten erschien das Stück nur noch dreimal auf der Bühne, zuletzt 1859 in Neapel und dann erst wieder bei den Verdi-Feiern 1951.
Verdi selbst sah den Grund des Fiaskos später im plötzlichen Tod seiner Frau am 18. Juni 1840, der ihn zwang, das Stück unter großem Leidens- und Zeitdruck fertigzustellen. Die Verdi-Forschung lieferte die Erklärung für das Versagen bereitwillig nach: ein schlechtes Textbuch, fehlendes Talent für Komik.
Wer die neue, 2022 beim Warschauer Festival «Chopin und sein Europa» mitgeschnittene Aufnahme der Oper in Unkenntnis ihres Schicksals hören würde, käme zu einem anderen Eindruck. Er wäre überrascht von einer draufgängerischen Musik, die mit handwerklicher Sicherheit den buffonesken Tonfall von der plappernden Suada der beiden komischen Basspartien bis hin zum rhythmischen Elan der alles ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Medien, Seite 26
von Uwe Schweikert
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Man sieht es und staunt: Der männliche Titelheld ist verdoppelt, also stirbt er auch zweimal. Während Tristan eins, singender (Privat-?)Patient einer Luxusklinik, exakt an der vom Komponisten bezeichneten Stelle ins Jenseits wandert, beobachtet sein Schauspiel-Double vom Rollstuhl aus dessen Sterben wie ebenfalls Isoldes Liebestod. Erst dann gibt auch der...
