In der Fremde

Mozart: Mitridate, Re di Ponto an der Berliner Staatsoper

Opernwelt - Logo

Mit «Mitridate, Re di Ponto» schuf der 14-jährige Wolfgang Amadé Mozart sein erstes Meisterwerk – und gleichzeitig diejenige seiner Opern, die sich den Ansprüchen einer zeitgemäßen Inszenierung am sperrigsten entzieht.

«Mitridate» ist eine späte Opera seria, zugleich ein Spielfeld für den kompositorischen Ehrgeiz des jungen Komponisten: Immerhin galt es bei der Arbeit an diesem Mailänder Auftrag, die wenige Jahre zuvor entstandene Vertonung des gleichen Stoffes aus der Erinnerung von Publikum und Sängern zu fegen – so ist das Stück einerseits im Rahmen der Opera-seria-Tradition überaus originell, auch verstand sich Mozart schon damals darauf, den Sängerinnen und Sängern die Partien auf den Leib zu schreiben. Aber zugleich ist es auch ein langes Stück, in dem der Handlungsverlauf noch stärker ausgebremst scheint als selbst in der Barockoper üblich. Wohl deswegen trifft man dieses überaus schöne Werk kaum je auf der Bühne an. 

An der Berliner Staatsoper hat man zu den Barocktagen den japanischen Regisseur Satoshi Miyagi mit der Regie betraut und eine Inszenierung bekommen, die sich diesen Problemen nicht stellt, sondern durch «Stil» aus dem Weg geht. Ihre Statik bringt die Handlung ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 28
von Peter Uehling

Weitere Beiträge
In der Rumpelkammer des Glücks

Bereits im Vorwort seines berührenden Buches aus dem Jahr 2007 stellt Alexander Kluge klar, dass es ihm bei den 120 «Geschichten vom Kino» um das «Prinzip Kino» gehe, also um den erweiterten Begriff der Kunstgattung. Er halte dieses «Kino», schreibt Kluge, «für unsterblich und für älter als die Filmkunst», weil es auf einem zeitlosen Prinzip beruhe – darauf...

Im Stil der goldenen Zwanziger

Zum Entrée erklingt wildes Gehämmer. Als sich der Vorhang öffnet, ist der Bühnenaufbau noch voll im Gange: Kulissen werden gerückt, eine Wand droht umzufallen. Doch bereits die unfertige Bühne zeigt, wohin die Reise geht: roter Plüsch, soweit das Auge reicht, Samttapeten, Kristallleuchter, Federdiademe. Regisseur François de Carpentries und sein Bühnenbildner...

Im Tollhaus

Er will sie, er will ihn – und er will alles: So ist Eliogabalo, der ohne Zweifel verrückteste Kaiser im alten Rom. Als 14-Jähriger kam Varius Avitus Bassianus 218 n. Chr. auf den Thron, trieb sein Wesen und tat dies äußerst heftig, wenn auch nur kurz: Vier Jahre nach der Thronbesteigung hauchte er, von der Hand eines Mörders getroffen, sein Leben aus – später...