Immerwährende Liebe
Im späten 19. Jahrhundert hat sich das Orchesterlied vom klavierbegleiteten Sololied getrennt und als eigenständige Gattung etabliert. Das kammermusikalische Lied dagegen ist stets ein subversiver Solitär geblieben, dessen formale Abweichungen sich auf keinen Nenner bringen lassen. Dies belegen drei völlig unterschiedliche Lied-Opern, die Barbara Hannigan und das amerikanische Emerson String Quartet auf ihrer überragenden CD vereinen.
Die kanadische Sopranistin war stets eine weniger an den eleganten Haupt- als an den abseits gelegenen Nebenstraßen der Musikgeschichte interessierte Künstlerin. Ihre Partnerschaft mit dem Emerson String Quartet, das mit dieser Aufnahme seine letzte CD nach 47-jährigem Bestehen vorlegt und sich zum Jahresende auflöst, ist ein Glücksfall. Es ist der Herzschlag der Sehnsucht, der die beiden verbindet – einer Sehnsucht, die, mit einem Vers Hölderlins, in diesen Liedern geradewegs «ins Ungebundene», ja darüber hinaus führt.
Im Zentrum steht Schönbergs zweites Streichquartett in fis-Moll. Dem 1907/08, zur Zeit einer schweren Lebenskrise entstandenen Werk kommt im Übergang von der Spät -romantik zur Moderne, von der Funktionsharmonik zur Atonalität eine ...
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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 30
von Uwe Schweikert
Was Wahrheit sei? Wirklichkeit? Nicht erst Friedrich Nietzsche war felsenfest davon überzeugt, dass es keine Fakten gebe, sondern nur Interpretationen. Auch andere Denker, Dichter wie Philosophen, hatten ihre Zweifel an der normativen Kraft des Realen. Realität, das war immer auch etwas, das sich ein jeder für seine eigenen Zwecke zurechtzimmerte. Was das bedeutet,...
Der 7. Oktober 2023 hat sich schon jetzt als jenes Datum in unser Gedächtnis eingebrannt, an dem eines der schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte begangen wurde. Die islamistische Terrororganisation Hamas ermordete an diesem Tag, der zugleich der 50. Jahrestag des Jom-Kippur-Krieges war, in einem Akt kaum vorstellbarer Barbarei mehr als 1.400 Israelis,...
Der Siegeszug der Eisenbahn hat im Musiktheater bemerkenswert schmale Spuren hinterlassen – anders als in der absoluten Musik, man denke nur an Arthur Honeggers «Pacific 231«, ganz zu schweigen von Film und Literatur, wo Bahnhöfe als Orte der Sehnsucht und dramatischer Wendungen spätestens seit Tolstoi gesetzt sind, und von der Pop-Musik, in der (Sonder-)Züge nach...
