Im goldenen Käfig

Delibes: Lakmé an der Oper Straßburg

Opernwelt - Logo

Blumen-Duett» und «Glöckchen-Arie»: Zwei populäre Nummern aus Léo Delibes’ «Lakmé» behaupten sich auch in den einschlägigen Internet-Musikkanälen. Im Gegensatz zur Oper, die zumal im deutschsprachigen Theater ein Schattendasein fristet. Schwülstige «exotische Idylle» à la française? Jetzt könnte die Zeit reif sein für einen neuen Blick auf «Lakmé». Thematisiert die Handlung im Grunde doch nicht unkritisch den britischen Kolonialismus im Indien dieser Zeit. Und die Abnabelung einer jungen Frau, der Titelfigur, von ihrem Vater, dem Brahmanen Nilakantha.

Der seine Tochter vergöttert, ja geradezu vergöttlicht und sie deshalb von allem abschirmt, was er hasst – zum Beispiel den englischen Kolonialherren, die seine Kultur und Religion missachten.

Laurent Pellys Inszenierung an der Opéra national du Rhin setzt an dieser Stelle an. Pelly ignoriert die kolonialen Verwerfungen und die Brüche durch die Dialoge in der Handlung zwar nicht – die englische Personnage im Stück karikiert der Regisseur als sein eigener Kostümbildner mit großer Lust am prüden, grauen Viktorianismus. Doch weit wichtiger ist ihm jenes Mädchen Lakmé, das von seinem Vater als göttliche Erscheinung in einem riesigen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Alexander Dick

Weitere Beiträge
Opfer und Täter

Rassismus in den USA wird nicht erst seit der Tötung des Afroamerikaners George Floyd durch einen weißen Polizisten vorwiegend mit der massiven Diskriminierung von Schwarzen identifiziert. Tatsächlich kennt der Rassismus im größten Einwandererland der Erde seit Jahrhunderten viele Spielarten, die von der schieren Menschenverachtung über den Nationalismus und den...

Höllensturz

Franz Schreker ist gewiss der tragischste Fall in der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts. Mit seinen Erfolgsstücken «Der ferne Klang» (1912), «Die Gezeichneten» (1918) und «Der Schatzgräber» (1920) war er zu Beginn der Weimarer Republik neben Richard Strauss der meistgespielte lebende Opernkomponist. Doch es bedurfte nicht erst der Nazis, um den Juden Schreker...

Schwarze Larven

Warten, schon während des Einlasses. Zwei ältere Frauen vorn, ins Publikum blickend, zwei jüngere hinten, abgewandt auf den Prospekt einer nächtlichen Stadt schauend. «Nach Moskau, nach Moskau!», würden sie wohl rufen, wären sie Tschechows drei Schwestern und nicht nur die beiden aus Tschaikowskys «Eugen Onegin». Doch in Roland Schwabs Inszenierung am Staatstheater...