Editorial 12/23

Opernwelt - Logo

Der 7. Oktober 2023 hat sich schon jetzt als jenes Datum in unser Gedächtnis eingebrannt, an dem eines der schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte begangen wurde. Die islamistische Terrororganisation Hamas ermordete an diesem Tag, der zugleich der 50. Jahrestag des Jom-Kippur-Krieges war, in einem Akt kaum vorstellbarer Barbarei mehr als 1.400 Israelis, die überwiegende Mehrheit von ihnen Zivilisten. Unter den jüdischen Opfern befanden sich Babys, Kleinkinder, Frauen, Greise, tanzende Jugendliche.

Damit nicht genug: Die Mörder filmten ihre Untaten auch noch, sodass die Welt Zeuge dieser unfassbaren Brutalität wurde. Am selben Tag, und das erscheint nicht nur auf den ersten Blick als Lappalie, fand am Theater Kiel die Premiere von Camille Saint-Saëns’ Musikdrama «Samson et Dalila» statt, in einer Inszenierung, die ästhetisch höchsten Ansprüchen genügte (Seite 6).

Zwischen den «Ereignissen» im Süden Israels und dem Norden Deutschlands gibt es eigentlich keine Verbindung. Und doch existiert sie. Denn der Komponist Saint-Saëns und sein Librettist Ferdinand Lemaire greifen in ihrem oratorischen Bühnenwerk eine Geschichte aus dem Alten Testament auf («Buch der Richter», Kapitel ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Hamlet im Garten

Für Alban-Berg-Süchtige ist der typografisch ansprechend gestaltete Band im Kunstkatalogformat eine Fundgrube. Man kann diesem Komponisten, dem als Einzigem das Kunststück gelang, die Rechenexempel der Dodekaphonie mit der todessüchtigen Dekadenz der Spätromantik zu versöhnen, in allen Lebenslagen folgen – vom Kinderbild des Zweijährigen bis zur letzten Fotografie...

Sie war einfach unverwechselbar

Diva, Mythos, Skandalfigur oder vielleicht doch ein Opfer der Umstände? Wer sich mit Maria Callas beschäftigt, kann sich aussuchen, welchen Zugang er sich in der inzwischen schon kaum mehr übersehbaren Literatur wählt. Eva Gesine Baur, ihre letzte deutsche Biografin (siehe OW 8/2023), hielt es mit dem voyeuristischen Blick durchs Schlüsselloch und kehrte einmal...

Denkbilder

Für das immer heikle Ende, den von schlimmstem Des-Dur-Dröhnen begleiteten Einzug der Götter in ihr neues, so teuer erkauftes Heim Walhall, findet Romeo Castellucci, der für Regie, Ausstattung und Licht verantwortlich zeichnet, ein verblüffend einleuchtendes Bild: Wotans Gesellschaft, in weiß wallenden Sektengewändern, tritt nacheinander an ein großes schwarzes...