Seid umschlungen, Millionen
Alte Dirigenten interessieren sich selten für die «Zauberflöte». Hans Knappertsbusch sprach es offen aus: Jedes Mal wenn er in Fahrt komme, müsse er wieder aufhören – wegen der endlosen Dialoge. So denken viele. Dann doch lieber den «Don Giovanni» mit seinem symphonischen Furor. Weil die «Zauberflöte» ein Singspiel ist, lässt sich bei ihr nur schwer herstellen, was für erfahrene Musiker oft zur Hauptsache wird: tönende Architektur, klingender Zusammenhang.
Nikolaus Harnoncourt, Jahrgang 1929, hat jetzt bei den Salzburger Festspielen eine aufregende, gleichwohl viel Geduld einfordernde Version der «Zauberflöte» vorgestellt. Sie ist nicht einfach nur langsam, sondern auf leise Weise radikal. Sie lässt die Musik neu und frei entstehen. Mozarts letzte Oper erscheint nicht als hinlänglich bekanntes Gefüge, das es zu formen gilt. Vielmehr könnte die Musik bei vielen Modulationen und nach (fast) jeder Generalpause auch ganz anders weitergehen, könnte ins Fragmentarische verebben, sich im Suchen verlieren.
Das muss man erst einmal hinbekommen. Ausgerechnet Harnoncourt, der die musikalische Rhetorik des 18. Jahrhunderts erforscht hat wie kaum ein anderer, deutet die «Zauberflöte» aus dem ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Stephan Mösch
Bayreuth war immer schon politisch, die Bayreuther Festspiele auch. Dass der Dichter erst wieder dichten könne, wenn es keine Politik mehr gebe, diesen Satz hat Wagner seiner politisch-ästhetischen Utopie zwar vorangestellt, ohne sich selbst allerdings daran zu halten. Aus welchen praktischen Zwängen auch immer: Als 1876 die ersten Festspiele eröffnet wurden, waren...
So stellen sich die Bayern ihren weiß-blauen Himmel eben vor: als allerliebreizendstes Barockputten-Paradies, in das man freilich bei Ablauf der Lebensfrist nicht unbedingt berufen werden will. Man kann ja schließlich auch Gevatter Tod, hier Boandlkramer genannt, mit «Kerschgeist» beim Karteln unter den Tisch saufen. «Der Brandner Kasper», nach Franz von Kobells...
Mit Sängerbiografien ist es so eine Sache. Zumal, wenn die beglückten Hauptpersonen noch unter uns weilen und munter auf dem hart umkämpften Stimmenmarkt mitmischen. Wer viel zu verlieren hat, neigt zur Verschwiegenheit. Wer viel zu gewinnen hofft, zur Aufschneiderei. Erfahrungen und Ereignisse, Fabeln und Fakten werden allenfalls gefiltert ausgereicht. Auf dass...
