Der Duft von Flieder
Die Wege zur Liebe sind, wie die Wege der Liebe selbst, häufig verschlungen. Auch bei Jean Anouilh, den wir vor allem als «Übersetzer» des antiken Antigone-Stoffes kennen. Sein Poem «Les Chemins de l’amour» beweist, wie gewandt der Dramatiker auf diesem Gebiet war, und so verwundert es wenig, dass Francis Poulenc die Verse zu einer Mélodie für Gesang und Klavier vertonte.
Eine charmant-leichthändige, nach Flieder duftende Schwärmerei im Dreivierteltakt, deren musikalische Vorlage ein Walzer bildet – was wiederum den Dirigenten Frédéric Chaslin anregte, sie für Orchester zu setzen.
Chaslin beherrscht dieses Handwerk; die «Transformation», vom Orchestra del Teatro La Fenice di Venezia unter seiner Leitung nuancenreich interpretiert, atmet den (freien) Geist des Originals. Auch Julie Cherrier-Hoffmann ist die richtige Interpretin für diese Art von Musik. Ihr kachelofenwarm timbrierter Sopran flattert wie ein Schmetterling durch die imaginäre Luft; er besitzt Farben, Schattierungen und das gewisse Etwas, um diese geistreich-unterhaltsame Musik zum Schweben zu bringen. Nur ist Cherrier-Hoffmann auch die geeignete Interpretin für Poulencs magischdunkle Mono-Oper «La Voix humaine»? Die ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 30
von Virginie Germstein
Manchen Werken der Musikgeschichte wird bescheinigt, sie würden den Geist einer Epoche konservieren. Mit Blick auf die wieder sehr in Mode gekommenen 1920er-Jahre mag das auf George Gershwins «Rhapsody in Blue» zutreffen, mit ihrem wilden Amalgam aus Jazz, Blues und klassischer Symphonik, oder auch auf dessen Tondichtung «An American in Paris», wo der Komponist...
Sie waren sieben. Nein: acht. Einer überlebte. Der Vater. Alle anderen wurden nach Auschwitz deportiert und ermordet. Mehr als zwei Jahre lang hatten sie im Hinterhaus der Amsterdamer Prinsengracht 263 in einem Versteck gehaust, eingesperrt zwischen Hoffen und Bangen, unter Umständen, die man mit dem Wort komfortabel wohl kaum beschreiben mag, aufeinander...
Stimmschön
Seit ihrem Sieg beim Operalia-Wettbewerb 2019 hat sie eine steile Karriere hingelegt. Und vor allem als Mozart-Interpretin ist Adriana González dabei in Erscheinung getreten: Sie sang Despina, Zerlina, Susanna, Contessa, Fiordiligi und glänzte in all diesen Rollen mit einer lyrisch gefüllten Stimme sowie einer staunenswerten Technik. Ein Porträt
Traditio...
