Im Spiegelkabinett
Eugen Onegin» als Tragödie verfehlten Lebensglücks: So sieht Stefan Herheim Tschaikowskys Szenenfolge, mit der er an der Nederlandse Opera im Rahmen des Holland Festivals debütierte. Das Concertgebouworkest mit seinen überirdisch schönen Hörnern saß im Graben, Mariss Jansons dirigierte. Eine Luxusbesetzung. Manches Bild schärfte die Ohren wie der vorher in dieser Krassheit nie bemerkte Trauermarsch in der Duellszene oder der Pas de deux von Weißem und Schwarzem Schwan im Mittelteil der Polonaise. Anderes nahm die Augen so sehr in Anspruch, dass keine Zeit mehr zum Hören blieb.
Vor allem die Hauptfragen der theatralisch aus dem Vollen schöpfenden Inszenierung schienen nicht zu Ende gedacht: Warum wird das Lebensglück verfehlt? Was und wer ist schuld daran?
Und das, obwohl Stefan Herheim die Schlussszene in einem selbstreflexiven Kunstgriff zur Rahmenhandlung machte. Philipp Fürhofer hatte ein fotorealistisches Theaterfoyer auf die Bühne gewuchtet: in der Mitte ein gläsernes Wintergarten-Foyer, das sich für die Rückblenden öffnete. Anlässlich einer vom Oligarchen Gremin gesponserten Vorstellung begegnet Onegin seiner großen Liebe wieder. Das löst einen Strom von Tagträumen und ...
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Opernwelt August 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Boris Kehrmann
Die Eröffnungspremiere in der Arena di Verona ist mal wieder eine Zitterpartie bis fast zur letzten Minute. Angstvoll wandern die Blicke der Besucher gen Himmel – doch das Wetter hält. Der angekündigte Regen fällt nicht, am Ende reißt sogar der nächtliche Himmel auf, und während Violetta Valéry ihr Leben aushustet, steigt direkt hinter Bühne goldgelb der Vollmond...
Der Schock kam nach der Ouvertüre. Sämtliche Rezitative waren gestrichen. Das Mozart-Festival A Coruña traute sich nicht, dem Publikum Domènec Terradellas’ (1713-1751) letzte Oper «Sesostri» in voller Länge zuzumuten. Dabei ist es der dramatische Instinkt, der die Musik des durch Juan Battista Otero und seine Reial Companyia Opera da Cambra Barcelona der...
Herr Lucic, Inszenierungen des «Macbeth» spielen häufig in einer Ostblock-Diktatur. Sie sind in einer Ostblock-Diktatur groß geworden. Sehen Sie auch diese Parallele?
Ich würde das nicht vergleichen. Für mich ist Macbeth einfach eine verrückte, blutige Figur, die im Grund ganz unsicher ist. Ich sehe ihn auch nicht als zutiefst bösen Menschen. Für mich erklärt sich...
