Bitte nicht stören!
Der erwartete und von manchem erhoffte Skandal blieb aus. Der katalanische Regie-Berserker Calixto Bieito ist wohl zu sehr Katholik, um sich an einem Werk wie den «Gesprächen der Karmelitinnen» zu versündigen. Mit einer gewissen Demut nähert er sich dem Stück, das er sich für seine vierte Inszenierung an der Komischen Oper selbst ausgesucht hat. Er legt es zunächst wie ein szenisches Oratorium an, in eher zögerlichen Schritten entsteht Theater. Das Kloster ist für ihn Metapher für den Körper, in dem wir eingeschlossen sind.
Das Einheitsbühnenbild von Rebecca Ringst ist ein Baugerüst, in dem 48 in vier vierstöckigen Reihen angeordnete Eisenbetten stehen. Die Nonnen tragen Alltagskleidung. Es gibt keine Hinweise auf die historische Zeit der Handlung.
Solche Abstrahierung und Stilisierung tut dem Stück gut und erleichtert denjenigen Zuschauern, die mit Religion nicht viel anzufangen wissen, den Zugang zu der Geschichte, in der die inneren Handlungen wichtiger sind als die äußeren, in der es auch weniger um den Glauben geht als um die Angst («Die begnadete Angst» ist der deutsche Titel des zugrunde liegenden Romans von Georges Bernanos). Auch in der Personenführung hat sich Bieito ...
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Opernwelt August 2011
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Ekkehard Pluta
Marc Minkowski hat gerade an zwei aufeinanderfolgenden Abenden Meyerbeers «Les Huguenots» dirigiert – jeweils vier Stunden Musik, mit Pausen sogar fünf Stunden – und wirkt im Gespräch danach so frisch, als sei es ein Leichtes, gleich das nächste Dirigat vorzubereiten. Seine Entscheidung für die selten gespielte Oper ist in mehrerer Hinsicht logische Konsequenz...
Auch wenn visuelle Aufzeichnungen von Liederabenden der Kamera nicht viele Entfaltungsmöglichkeiten bieten und der optische Eindruck meist ziemlich einförmig bleibt, ergänzen sie die Tonaufzeichnungen doch in entscheidender Weise. Denn Haltung, Mienenspiel und Selbstdarstellung des auf dem Podium ganz auf sich gestellten Sängers sind ein nicht unbedeutender...
Zum Abschluss der an entdeckerischem Wagemut wahrlich nicht armen Saison wartete die Oper Frankfurt mit zwei weiteren Premieren abseits des üblichen Repertoires auf. Beide Stücke, Marc-Antoine Charpentiers «Médée» und Aulis Sallinens «Kullervo», spielen in mythischer Vorzeit, also heute. Beide Male, in der 1693 uraufgeführten Barockoper wie in der fast genau...
