Im Rüsch-Raff-Pailletten-Rausch

Beobachtungen beim Finale des 37. Bundeswettbewerbs Gesang an der Deutschen Oper

Opernwelt - Logo

Irgendwann muss es ja einer mal aussprechen: Die meisten Sängerinnen haben einen schrecklichen Geschmack, was ihre Konzertkleidung betrifft. Beim Abschlusskonzert des 37. Bundeswettbewerbs Gesang schwebt am 1. Dezember gleich eine ganze Reihe grauenhafter Roben über die Bühne der Deutschen Oper Berlin: Kleider, die so gestrig, so trutschig, so geschmacklos in ihrem Rüsch-Raff-Pailletten-Rausch aussahen, als habe sie ein Schaufenstergestalter in den fünfziger Jahren entworfen.

Man darf hoffen, dass die in Modefragen über alle Zweifel erhabene Mezzosopranistin Stella Doufexis als Jurymitglied mit der einen oder anderen Teilnehmerin auch ein ernstes Wort über die angemessene Garderobe gesprochen hat. Die Gewinnerin des Juniorwettbewerbs für die 17- bis 22-Jährigen, der bereits am 4. November entschieden worden war, brauchte derlei Beratung übrigens nicht: Nora Lentner besticht nicht nur durch ihre natürliche Bühnenpräsenz und einen höhensicheren, vielseitigen Sopran, sondern sie weiß auch, welche Farben ihr stehen.
Zum Hauptwettbewerb der 23- bis 30-Jährigen hatten sich in diesem Jahr 167 Nachwuchskünstler angemeldet, elf Finalisten mussten schließlich bei einem von Roger Willemsen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2009
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Frederik Hanssen

Vergriffen
Weitere Beiträge
Den Menschen etwas geben durch die Kunst

Bis ins hohe Alter hinein ging etwas Königlich-Heroinenhaftes von ihr aus, und doch war Christel Goltz die liebenswerteste und gastfreundlichste Gesprächspartnerin, die man sich denken kann. Immer bereit, aus ihrem künstlerischen wie menschlichen Erfahrungsschatz zu schöpfen, das Resümee einer wunderbaren Karriere weiterzugeben an eine nachfolgende Generation. Ob...

Die Zeit ist aus den Fugen

Verdis selten gespielte Oper «I masnadieri» nach Schillers aufrührerischem Jugenddrama «Die Räuber» entstand gleichzeitig mit «Macbeth». Allein schon die Nachbarschaft zum finstersten Melodramma der italienischen Opernromantik müsste aufhorchen lassen. Das Libretto des mit Verdi befreundeten Schiller-Übersetzers Andrea Maffei, der auch beim «Macbeth» die Hand im...

Blond in Nagasaki

Wenn in «Madama Butterfly» Fetzen der amerikanischen Nationalhymne erklingen, hält das Publikum sie stets für den Herkunftsnachweis von Pinkerton, der als US-Marineoffizier das Herz der kleinen Cio-Cio-San bricht. Die Kölner Neuinszenierung von Patrick Kinmonth beweist, dass sie auch für Butterfly eine Sehnsuchtsmelodie sind. Die Oper ist ja eine getarnte Parabel...