Im Puppenheim
Wie viele Zwangsehen wurden aus Staatsräson geschlossen? Die von Lucia und Arturo hält bekanntlich nur eine Nacht und endet blutig. In Lübeck erlebt ein gebanntes Publikum diesen Schluss bei Donizettis «Lucia di Lammermoor» so, als hätte der Aktionskünstler Hermann Nitsch Pate gestanden. Dessen Erwähnung versteht sich hier nicht im Sinne von Publikumsprovokationen, sondern einer ins Psychologische, Gesellschaftskritische gehenden Schonungslosigkeit der Darstellung.
Regisseurin Anna Drescher erzählt die Geschichte eines Liebesverrats aus dem Blickwinkel einer bloßgestellten Weiblichkeit, an der sich die Männer glotzend aufgeilen. Düsternis prägt die Produktion und damit auch die Bühne sowie die meisten Kostüme von Tatjana Ivschina; die Handlung spielt auf schwarzen Stufen und zwischen den grauen Stämmen eines Herbstwaldes. Vor der nachtschwarzen Gleichförmigkeit des Chors (Leitung: Jan-Michael Krüger), der an eine satanische Gothic-Gruppe mit Hospitalismus-Symptomen erinnert, heben sich die feuerroten Kleider von Lucia (erschütternd verkörpert von Sophia Theodorides) und Alisa (Delia Bacher) ab. Das cremefarbene Damast-Brautgewand harmoniert auf den ersten Blick mit der Sunnyboy-Gar ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Andreas Ströbl
Nicht bloß Johann Strauss, der Walzerkönig, sondern auch ein vermeintlicher König der Intrigen kommt 2025 zu Ehren. Denn Antonio Salieri, vor 275 Jahren in Legnano geboren und vor 200 Jahren in Wien verstorben, hat bis heute keine gute Presse. Auch Peter Shaffer und Miloš Forman förderten die Vermutung, der eifersüchtige Salieri habe seinem jüngeren Konkurrenten...
Im «Peking» ist die Hölle los. Die gleichnamige Stadt aus Puccinis Oper hat sich in ein Casino irgendwo in den Vereinigten Staaten von Amerika verwandelt. Plastikjetons fliegen durch die Luft, Geldscheine wechseln im Eiltempo den Besitzer oder die Besitzerin, Anzüglichkeiten vieler Arten machen die schlüpfrige Runde. Ein Hauch von Las Vegas und seinem fragwürdigen...
Dieser Gounod legt die Axt an die Wurzel. «Uns interessierte vor allem die Leere», hieß es schon vor der Premiere, aber Bühnen- und Kostümbildner dürften doch andere Ambitionen gehabt haben als die Regisseurin. Es sei denn, sie arbeiten nicht gern. Viel zu tun gab es jedenfalls nicht für sie. Das Libretto sieht sechs Szenenwechsel vor – hier findet der Fünfakter in...
