Im Puppenheim
Wie viele Zwangsehen wurden aus Staatsräson geschlossen? Die von Lucia und Arturo hält bekanntlich nur eine Nacht und endet blutig. In Lübeck erlebt ein gebanntes Publikum diesen Schluss bei Donizettis «Lucia di Lammermoor» so, als hätte der Aktionskünstler Hermann Nitsch Pate gestanden. Dessen Erwähnung versteht sich hier nicht im Sinne von Publikumsprovokationen, sondern einer ins Psychologische, Gesellschaftskritische gehenden Schonungslosigkeit der Darstellung.
Regisseurin Anna Drescher erzählt die Geschichte eines Liebesverrats aus dem Blickwinkel einer bloßgestellten Weiblichkeit, an der sich die Männer glotzend aufgeilen. Düsternis prägt die Produktion und damit auch die Bühne sowie die meisten Kostüme von Tatjana Ivschina; die Handlung spielt auf schwarzen Stufen und zwischen den grauen Stämmen eines Herbstwaldes. Vor der nachtschwarzen Gleichförmigkeit des Chors (Leitung: Jan-Michael Krüger), der an eine satanische Gothic-Gruppe mit Hospitalismus-Symptomen erinnert, heben sich die feuerroten Kleider von Lucia (erschütternd verkörpert von Sophia Theodorides) und Alisa (Delia Bacher) ab. Das cremefarbene Damast-Brautgewand harmoniert auf den ersten Blick mit der Sunnyboy-Gar ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Andreas Ströbl
In Kálmáns Operetten geht es eigentlich immer um Geld. Beziehungsweise um den chronischen Mangel daran – bei denjenigen, die fieberhaft am gesellschaftlichen Aufstieg arbeiten, ebenso wie bei Menschen, die den Abstieg aus ihrem feudalen Luxusleben verzweifelt aufhalten wollen. Aus dem Spannungsfeld zwischen dem Niedergang des feudalen Systems und dem Aufstieg eines...
PERSONALIEN | MELDUNGEN
JUBILARE
Am 10. Juli feiert die Sopranistin Helen Donath ihren 85. Geburtstag. Die US-Amerikanerin absolvierte eine Gesangsausbildung in ihrer Heimat Texas und in New York, 1961 wurde sie Mitglied des Opernstudios der Oper Köln und trat als Wellgunde auf in Wagners «Rheingold» unter Wolfgang Sawallisch und in der Regie von Wieland Wagner....
Der Mensch, so hat es, sehr spitzfindig und süffisant, einmal T. S. Eliot formuliert, ist nicht imstande, viel Realität zu ertragen. Was häufiger, als man gemeinhin denken sollte, zur Folge hat, dass dieser Mensch dann in eine Traumwelt entflieht, dorthin, wo er zumindest das Gefühl, eine Ahnung von Freiheit hat, auch wenn dies nur eine Fata Morgana ist, die ihm...
