Wahn, Sinn und Methode
Der Mensch, so hat es, sehr spitzfindig und süffisant, einmal T. S. Eliot formuliert, ist nicht imstande, viel Realität zu ertragen. Was häufiger, als man gemeinhin denken sollte, zur Folge hat, dass dieser Mensch dann in eine Traumwelt entflieht, dorthin, wo er zumindest das Gefühl, eine Ahnung von Freiheit hat, auch wenn dies nur eine Fata Morgana ist, die ihm vorgaukelt, die Welt, in der er sich bewegt, sei womöglich eine bessere. Dass sie das nicht zwingend ist, muss auch der tapfere Tannhäuser einsehen.
Zwar hat er im Venusberg schon allerlei sinnliche Freuden genossen, dennoch sagt ihm eine innere Stimme (womöglich die der platonischen Vernunft?), dies sei womöglich noch nicht die Ultima ratio. Es muss etwas anderes geben als die profane Lust; um danach zu suchen, beschließt der Titelheld in Wagners Oper, sich von der Göttin der Liebe loszureißen. Drei Anläufe unternimmt er, um ihren Fängen zu entkommen. Und je entschiedener Venus ihm den Austritt aus dem Reich der Ekstasen zu verwehren sucht, umso drängender wird sein Verlangen: Aus dem (heiligen?) Des-Dur in der ersten Strophe rückt Tannhäuser, von sanften Harfenklängen begleitet, chromatisch vor, erst zu D-Dur und ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Jürgen Otten, Markus Thiel, Gina Thomas, Stephan Mösch, Peter Krause
Zu den großen Opernfiguren, die nicht mit Empathie rechnen dürfen, gehört die Küsterin in Leoš Janáčeks «Jenůfa». Dass es nicht das Glück der jungen Frau ist, für das Buryja zur Kindermörderin wird, sondern ihr bigotter Wunsch, die Ziehtochter noch gut verheiraten und damit den eigenen Ruf retten zu können, macht sie zur gemeingefährlichen Vertreterin bürgerlicher...
Wie alt ist eigentlich Wotan?
Schwer zu sagen. Ich sehe den «Rheingold»-Wotan als einen jungen Mann. Er ist feurig, ungestüm, fällt die falschen Entscheidungen, plant nichts so richtig. In der «Walküre» hat sich seine Mentalität, seine Denkweise geändert, auch weil er nun Vater geworden ist. Ein riesiger Lebenseinschnitt. Ich wurde mit 27 Jahren Vater, das ist in...
Anders als Antonio Salieri mit seinem «Cublai, gran kan de’ Tartari» konnte Mozart schon zu Lebzeiten mit der «Zauberflöte» reüssieren – vor allem aber sein Mitstreiter Emanuel Schikaneder, der sich mit den Einspielergebnissen ein neues Theater baute – das «Theater an der Wien». Dass ihm dabei ein Kaufmann mit dem wie von Nestroy erfundenen Familiennamen Zitterbart...
