Im Lustgarten
Oscar Wilde widersprach dem Moralkodex: «A dirty mind is a joy forever». Auch der Sänger Sting meinte, es gebe keine Religion außer Sex und Musik. Beide wären der Hölle versprochen, wenn der Schöpfer dem Menschen sarkastischerweise den mächtigsten Trieb geschenkt hätte, nur um diesen im Gegenzug zu verdammen. Doch die Kunst hat sich im Innersten wohl nie um die moraltheologische Bewertung libidinösen Tuns gekümmert, sondern ihre Schaffenslust und Fantasie oft aus einer entschiedenen Überschreitung des sechsten Gebots generiert. Auch im Genre des Kunstlieds.
Manchmal poetisch durch die Blume, etwa beim vom wilden Knaben gnadenlos gebrochenen Heideröslein Goethe/Schuberts oder dem offenbar auf Lesbos blühenden Veilchen, ebenfalls nach dem Text des durchaus zu Frivolitäten neigenden Dichterfürsten und in Mozarts populärer Melodie. Manchmal auch vermittels doppeldeutiger Symbole aus dem Tierreich, etwa der hingebungsvoll gestreichelten Katze (die sich so schön auf Glatze – angeblich Zeichen besonderer männlicher Potenz – reimt, wie in Schönbergs «Brettl-Liedern»). Beliebt auch der sich windende Aal oder die Ähnliches vollziehende Schlange, wie bei Mörikes «Erstem Liebeslied eines ...
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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Gerhard Persché
Carmela, zehn Jahre alt, ist Fremde in einem fremden Land. Sie wurde zwar in Palermo geboren, als Tochter ghanaischer Eltern, doch die italienische Staatsbürgerschaft bleibt ihr verwehrt. Dass das Mädchen sich trotzdem heimisch fühlt, hat mit einer Musikinitiative zu tun, dem so genannten Regenbogenchor. Vor sechs Jahren ist er am Teatro Massimo gegründet worden,...
Die Lizenz zum Texttöten erstreckt sich längst auf das gesamte Repertoire, aber der «Fidelio» genießt bei Regie-Tyrannen immer noch einen hohen Rang, wenn es darum geht, einem Libretto den Garaus zu machen. Mit Beethovens epochaler Rettungs- und Befreiungsoper konnten sie alle etwas anfangen, Monarchisten anno 1814 und Demokraten anno 1848, Faschisten wie...
Kein Mond, nirgends. Das Universum ist schwarz. Und doch schwebt das ferne, dabei so nahe menschengesichtsgleiche Gestirn über allem, was die Muse dem Dichter eingab, was sein Gefühl durchflutet. Immer wieder ruft Pierrot, fantastische Gestalt im Weltinnenraum, diesen nächtig todeskranken Planeten an, der da auf des «Himmels schwarzem Pfühl» wohnt und dessen Blick,...
