Schutz unter dem Regenbogen
Carmela, zehn Jahre alt, ist Fremde in einem fremden Land. Sie wurde zwar in Palermo geboren, als Tochter ghanaischer Eltern, doch die italienische Staatsbürgerschaft bleibt ihr verwehrt. Dass das Mädchen sich trotzdem heimisch fühlt, hat mit einer Musikinitiative zu tun, dem so genannten Regenbogenchor. Vor sechs Jahren ist er am Teatro Massimo gegründet worden, um Migrantenkinder zu unterstützen. «Der Regenbogenchor ist etwas Besonderes, wir kommen alle aus verschiedenen Ländern», sagt Carmela, um die sich nun ein sizilianisches Ehepaar kümmert.
«Wir sind viele Stimmen, die zu einer einzigen, noch schöneren Stimme werden.»
Beim ersten Konzert nach dem Lockdown, im August auf der Freiluftbühne des Teatro di Verdura, trugen junge Talente aus den Philippinen, Mauritius, Bangladesch und anderen Nationen Musik von Ennio Morricone und Stücke aus Bizets «Carmen» vor. Mira hat auch mitgemacht. Als Miras Mutter Ikuka im Kimono zum Konzert erschien, waren alle Blicke auf sie gerichtet. Eine solche Feier kultureller Vielfalt steht in schroffem Kontrast zu dem oft alles andere als erfreulichen Alltag der Migranten in Palermo. «Die Italiener meinen, sie sind Boss. Wenn deine Haut eine andere ...
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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Magazin, Seite 56
von James Imam
Moskaus Kultur ist lebendig, ungeachtet der zweiten Pandemiewelle, die mit täglich wachsenden Infektionszahlen über die Stadt rollt. Gleichwohl haben sämtliche Opernhäuser auf «Notdienst» umgestellt. Beispielsweise konnten nicht alle angesetzten «Don Carlos»-Vorstellungen im Bolschoi Theater stattfinden: Askar Abdrasakov (Filippo) und Anna Netrebko (Elisabetta)...
Anno 1728, auf der einsamen Höhe seiner auf das Wesentliche fokussierten Kunst des Komponierens, lässt Händel die Tropfen des bitteren Kelches gleichsam in die Venen des Helden Tolomeo einsickern. Der wähnt sich dem selbst gewählten Gifttode ganz nah, als er in seiner Arie «Stille amare, già vi sento» fragt: «Wo bin ich, lebe ich noch?» Der einstige König von...
Liebe beginnt meist mit Verwunderung, mit Staunen, mit einem Blick, der alles verändert. Hier, in der dritten Szene des zweiten Akts, hebt diese Liebe in nachgerade unschuldig-lyrischem B-Dur an. Doch vernimmt man den weit entfernten Donner und blickt bereits an dieser Stelle auf das Ende der Oper, sollte man bei Samsons sanft tönenden Worten «En ces lieux» gewarnt...
