Tutti gabbati
Falstaffs Bauch wird nicht bloß behauptet. In aller Immensität quillt er Simon Keenlyside über den Gürtel. Der hockt in einer gemütlich heruntergekommenen Bar, ungefähr in den 1960er-Jahren, und schmiedet Pläne, wie er sein Shilling- und Fraueneroberungskonto aufbessern könnte. Und wenn ihm dabei einmal mehr aufgeht, was für ein grandioser Kerl er doch ist, dann wird auch gleich die Bar größer: Die Wände weichen zurück, und, feines Detail, der Blick fällt auf ein kleines Horn über dem Eingang.
Ums Gehörntwerden wird es noch gehen, und überhaupt hat Verdi in seiner letzten Oper den Hörnern schöne Aufgaben geschenkt.
Wie groß oder klein die Welt ist, wie schrecklich oder irre: eine Frage der Perspektive. Und da wir in Verdis später Commedia lirica sind und Laurent Pellys Inszenierung kein Abend über toxische Männlichkeit ist, sieht man hier einer geschmeidig laufenden Komödienmaschine beim Funktionieren zu. Pellys Falstaff ist ein gewaltig Unzeitgemäßer, ein Don Quijote im Fatsuit, vielleicht etwas zu verwahrlost. Dass er sich an die proper pastellkostümierten Damen von Windsor mit Erfolg heranmachen könnte, ist ganz unglaubwürdig, aber seine Sicht der Dinge. Zum berührendsten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2025
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Holger Noltze
Schon nach den drei ersten Akkorden von Puccinis «Tosca», den schlimmen Schlägen des Bösewichts Scarpia, ist klar: Das klingt nicht nach «Kammerfassung». Die muss man erwarten in der Stockholmer Folkoperan: Das Haus muss nicht nur ohne Seiten- und Hinterbühne auskommen, sondern auch ohne Orchestergraben. Die volle Puccini-Kapelle muss also mindestens gedrittelt,...
Die Himmelfahrt ist abgesagt. Umsonst klimpert sich die Harfe in den letzten Takten des «Fliegenden Holländers» ins Paradies. In Osnabrück sendet noch ein Lichtkegel den Segen des Himmels in den wirbelnden Abgrund von Dennis Krauß. In Gelsenkirchen landet der Himmel mitsamt Schiff und Holländer am Ende direkt in der Tonne. Senta hat bei Regisseur Igor Pison...
Lange hatte Johann Strauß (Sohn) schon keinen großen Bühnenerfolg mehr zustande gebracht, da sollte ein großes Handlungsballett die Wende einleiten. Die sensationelle Ankündigung wurde 1898 mit der Ausschreibung eines Autorenwettbewerbs zum Libretto in der Zeitschrift «Die Waage» verbreitet. Ein Novum und ein echter Coup: Schließlich hatte sich der Komponist seit...
