Elsa, was tust Du?
Die Sentenz sitzt: «Unglücklich das Land, das keine Helden hat. – Unglücklich das Land, das Helden nötig hat.» So hat es Bertolt Brecht einmal notiert, und so könnte auch die Überschrift zur «Lohengrin»-Inszenierung von Richard Brunel lauten, mit der Bodo Busse seine Intendanz an der Staatsoper Hannover eröffnet hat. Ein denk-würdiger Abend im besten Sinne des Wortes. Wer nach Antworten sucht, wird enttäuscht sein.
Aber es gibt einige existenzielle Fragen, die seit Peter Konwitschnys legendärer «Lohengrin»-Lesart in Hamburg 1998 derart dialektisch präzise nicht mehr an das Stück gestellt wurden.
Doch der Reihe nach. Wagners romantische Oper beginnt und endet in der gleichen Tonart. Für Brunel klingt hier keine Erlösung an. Schon das A-Dur des Vorspiels ist, wiewohl von Stephan Zilias und dem delikat musizierenden Niedersächsischen Staatsorchester Hannover in spinnenwebartige Streicherlinien gehüllt, blutdurchtränkt. Eine heftige Szene, die zum einen, was wichtig ist, die Vorgeschichte bebildert und zum anderen eine eklatante psychoanalytische Plausibilität bekundet. Ein Kind wird ermordet – Gottfried, Elsas jüngerer Bruder. Gerade hat sie ihn noch aus seinen Wandkritzeleien ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten
Dem Namen des heute vergessenen italienischen Barockkomponisten Geminiano Giacomelli ist der interessierte Hörer erstmals 2009 auf Cecilia Bartolis CD «Sacrificium» begegnet. Damals sang Bartoli die Arie des Epitide «Sposa, non mi conosci» aus Giacomellis «Merope» – Musik mit Suchtcharakter, die daran erinnert, dass aus derselben Oper auch die Arie «Quell’usignolo»...
Man(n) trägt Perücke. Irgendwann im ersten Akt lässt sich auch der Kritiker von einer Mitwirkenden eine solche andienen: Modell mondäne Allongeperücke, ins Horizontale gerückt. Jetzt gehört man also dazu, zu Mahagonny, dieser seltsamen Stadt, in der man schon auf dem Vorplatz des Theaters Basel begrüßt wurde: «Willkommen in Mahagonny, willkommen daheim». Daheim?
Ir...
Es ist ein Opernabend für Fortgeschrittene, den das Theater Bremen mit seiner neuen «Butterfly»-Produktion dem Publikum präsentiert. Denn man muss das Stück schon recht genau kennen, will man den Ideen der Regisseurin und ihrer Umsetzung folgen. Puccinis Oper sei, so erklärte es Ulrike Schwab in einem Vorab-Interview, «ein Stück über Frauen und nicht nur über eine...
