Im Großformat
So viel Neuland ist an der Bayerischen Staatsoper selten. Erstmals brachte man im Juni 2010 die italienische Griechen-Oper eines Ingolstädters auf die Bühne. Szenisch realisiert wurde Giovanni Simone Mayrs «Medea in Corinto» von einem arg verspäteten
Münchner Regie-Debütanten. Mit der gebrandmarkten Außenseiterin schloss Hans Neuenfels schnell Freundschaft. So wie Mayrs Opus, das als Prosecco-Rossini anhebt, immer mehr Widerhaken austreibt und sich zunehmend schwarz färbt, geriet auch
die Verbildlichung dieser fassadenhaften, gewaltbereiten Kriegsgesellschaft.
Die «Opernwelt»-Wiederentdeckung des Jahres 2010 erfährt in der DVD-Version einen enormen Intensitätsschub. Anna Viebrocks mehrstöckige, vielsagende Palastarchitektur ist selten in der Totalen zu sehen – Bildregisseur Thomas Grimm vertraut lieber auf anderes. Auf schnelle Schnitte (was das Geschehen zusätzlich und sinnvoll dynamisiert), vor allem auf extreme Großaufnahmen.
Fast körperlich spürbar wird etwa das Kraftfeld zwischen Medea und Giasone im großen Duett. Ramón Vargas mag live kein extrovertierter Darsteller sein. Doch hier, mit dem Objektiv quasi wenige Zentimeter vom Gesicht entfernt, wächst sein Giasone im ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Medien/CD, DVD, Seite 30
von Markus Thiel
In gefühlten Es-Dur-Brechungen wallt es «Rheingold»-artig aus dem Orchestergraben herauf. Ein nächtlicher Highway schlängelt sich einer fernen Gebirgssilhouette entgegen. Vorn bricht ein Schwert durch den Asphalt: Excalibur. Ein Cadillac aus den Seventies parkt am Straßenrand. Das Warnlicht blinkt. Ein mittelalter, gedrungener Mann hat den Kopf auf das Lenkrad...
Der erste Gedanke, wenn man diese Oper hört: Enescu kann alles! Aber er kann es nicht nur aus traumwandlerisch sicherer Beherrschung des Metiers, sondern aus tiefer Einsicht in die musikalische Praxis. Enescu war, wie historische Aufnahmen belegen, ein begnadeter Geiger, ließ im Trio mit Alfredo Casella und Louis Fournier oder in seinem Streichquartett die...
Ausgerechnet die Uckermark, das denkt er sich heute belustigt. Ein Exil, durch das Hans-Jürgen von Bose auf Jahre hin zur Randexistenz verdammt war. Die Kontakte schliefen ein, die Kompositionsaufträge versickerten. Gut, da war die Pension der Münchner Musikhochschule für ihren Ex-Professor. Aber kann das einen Hochkreativen befriedigen? Hans-Jürgen von Bose...
