Im falschen Film
«Lohengrin» hat gegenwärtig Konjunktur (siehe OW 5/2009). Zwischen den beiden Extremen, Stefan Herheims überbordender und das Stück wohl auch überfordernder Assoziationsfülle in Berlin und Stanislas Nordeys visionärer Askese (oder was davon in Stuttgart übrig blieb), hat sich Jens-Daniel Herzog in Frankfurt für den Mittelweg, die realistische, die psychologische Lesart, entschieden.
Elsa, Bürgersmädchen in geblümtem Rock und blauem Strickjäckchen, sucht in illusionärer Verkennung von Traum und Wirklichkeit ihren Prinzen und dieser – langhaariger Altrocker in Lederjeans, Held und Erpresser in einem – die Erlösung durch das Weib. Das Ganze, so Herzogs und seines Bühnenbildners Mathis Neidhardts schlagender Einfall, spielt in einem Kinosaal, dem Traumpalast der Masse. Wir sehen Elsa zu Beginn in Begleitung ihres kleinen Bruders – bei Wagner der ominöse Herzog Gottfried, dessen märchenhafte Wiederkehr am Ende kaum eine «Lohengrin»-Inszenierung je verständlich, gar glaubhaft macht –, sehen, wie ihn die als Eisverkäuferin getarnte Ortrud entführt. Elsa wird des Mordes angeklagt, und die Szene wandelt sich zum Tribunal. Sie wähnt sich im falschen Film und erleidet einen Filmriss – ...
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