Facetten der Einsamkeit
Frau Kirchschlager, gestern Abend haben Sie Ihre erste Carmen gesungen. Wie hat sich das auf der Bühne angefühlt?
Gut. Zum Glück! Mir ist eine Riesenlast von der Seele gefallen, weil es für mich das erste Mal war, dass ich mir eine so wichtige Rolle ohne Regisseur erarbeiten musste und auf mich allein angewiesen war. Eigentlich hatte ich mich enorm auf die Zusammenarbeit mit Jürgen Gosch gefreut, der diese «Carmen» an der Deutschen Oper inszenieren sollte.
Sein «Onkel Wanja» war für mich einer von den Theaterabenden, wo die Zeit wie im Flug vergeht und die Darsteller völlig mit ihren Rollen verschmelzen. Als er dann absagte, hieß es plötzlich, dass mein Rollendebüt in einer Produktion aus dem Jahr 1979 stattfinden sollte. Das war natürlich eine Herausforderung.
Eigentlich denkt man doch, dass es viel leichter ist, eine neue Rolle in einer Uralt-Inszenierung zu singen: Alles funktioniert nach Schema, und man muss einfach nur mitmachen.
Ganz im Gegenteil – ich brauche einen Regisseur, um eine Rolle wirklich zu verinnerlichen. Erst nach einer gründlichen Probenarbeit habe ich sie dann intus und kann dieses Porträt auch in Repertoireinszenierungen anderer Bühnen mitnehmen. Das war schon ...
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