Im Elysium
Seine beiden bedeutendsten, für Wien entstandenen italienischen Reformopern «Orfeo ed Euridice» (1762) und «Alceste» (1769) hat Gluck 1774 respektive 1776 für Paris revidiert. Während die französische «Alceste» die Urfassung gänzlich von der Bühne verdrängte, führt umgekehrt der «Orphée» nur ein Schattendasein in der Aufführungsgeschichte dieses Werks.
Obwohl Gluck hier weniger radikal in die Substanz des Originals eingriff, wurde aus der Azione teatrale des «Orfeo» die durch die erweiterten Ballettszenen aktionsreichere und farbigere Tragédie-Opéra «Orphée et Eurydice». Dabei verändert sich der Geist der Musik weniger durch die neuen Arien und Orchesterstücke oder durch die Accompagnato-Récits, die die Secco-Rezitative ersetzen, sondern durch die Besetzung der ursprünglich für einen Alt-Kastraten bestimmten Titelpartie mit einem Haute-Contre. Gluck führt diese für die französische Barock-Oper typische Tenorstimme im Brustregister bis zum hohen C hinauf – eine Tour de force, mit der selbst Ausnahmesänger wie Nicolai Gedda oder Léopold Simoneau in ihren Aufnahmen aus den Jahren 1955/56 noch manifeste Schwierigkeiten hatten.
Ob «Orfeo» oder «Orphée»: Glucks Oper steht oder fällt ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Medien, Seite 42
von Uwe Schweikert
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