Im Bann der Bilder
Ein Bühnenbild wie ein Schrei. Schwarze Zeichen winden sich auf heller Leinwand: brutal hingeworfen wie gekrümmte Leiber, verrenkte Glieder, flehende Arme. Verkohlte Spuren eines grausamen Gemetzels. Händels Oratorium «Jephtha», das Achim Freyer am Hessischen Staatstheater Wiesbaden mit verstörender Bilderwut in Szene setzt, erzählt eine archaische Geschichte: Um siegreich aus dem Feldzug hervorzugehen, gelobt der alttestamentarische Kriegsherr Jephtha, Gott das erste Wesen als Opfer darzubringen, das ihm bei seiner Heimkehr begegnen wird – es ist seine eigene Tochter.
Freyer nähert sich dem Stoff weniger als Regisseur denn als bildender Künstler. Farben, Chiffren und Formen beschwören parallel zum Bühnengeschehen das Grauen des Krieges herauf. Die Protagonisten agieren beinahe während der gesamten Aufführung auf würfelartigen Podesten. Ihr Handeln bleibt auf wenige, meist in Zeitlupe ausgeführte Gesten beschränkt. Huldigen, Winken, Schwerter recken – mehr Spielraum gibt es für sie nicht. Von Schuld und Verstrickung erzählen die Zeichen, die von den Bühnenwänden auf die Kostüme übergesprungen zu sein scheinen. Sie erinnern an Brandmale und Blutflecken. Abstufungen von Rot bemessen ...
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Opernwelt April 2018
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Silvia Adler
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