Im Bann der Bilder

Händel: Jephtha
Wiesbaden | Staatstheater

Opernwelt - Logo

Ein Bühnenbild wie ein Schrei. Schwarze Zeichen winden sich auf heller Leinwand: brutal hingeworfen wie gekrümmte Leiber, verrenkte Glieder, flehende Arme. Verkohlte Spuren eines grausamen Gemetzels. Händels Oratorium «Jephtha», das Achim Freyer am Hessischen Staatstheater Wiesbaden mit verstörender Bilderwut in Szene setzt, erzählt eine archaische Geschichte: Um siegreich aus dem Feldzug hervorzugehen, gelobt der alttestamentarische Kriegsherr Jephtha, Gott das erste Wesen als Opfer darzubringen, das ihm bei seiner Heimkehr begegnen wird – es ist seine eigene Tochter.

Freyer nähert sich dem Stoff weniger als Regisseur denn als bildender Künstler. Farben, Chiff­ren und Formen beschwören parallel zum Bühnengeschehen das Grauen des Krieges herauf. Die Protagonisten agieren beinahe während der gesamten Aufführung auf würfelartigen Podesten. Ihr Handeln bleibt auf wenige, meist in Zeitlupe ausgeführte Gesten beschränkt. Huldigen, Winken, Schwerter recken – mehr Spielraum gibt es für sie nicht. Von Schuld und Verstrickung erzählen die Zeichen, die von den Bühnenwänden auf die Kostüme übergesprungen zu sein scheinen. Sie erinnern an Brandmale und Blutflecken. Abstufungen von Rot bemessen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2018
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Silvia Adler

Weitere Beiträge
Demontage eines Idols

Zur Dialektik der Oper gehört das Widerspiel von Historizität und Aktualität: Als Gattung ist sie über 400 Jahre alt, und dennoch sind Ästhetik, Technik und Rezeption durch die jeweilige Moderne bestimmt. Das gilt, durchaus konkret, auch für die großen Musentempel des internationalen Hochkulturbetriebs, innerhalb dessen sie gewiss auch mancherlei...

Personalien | Meldungen April 2018

JUBILARE

Kerstin Meyer kam 1928 in Stockholm zur Welt. Am Königlichen Konservatorium ihrer Heimatstadt studierte sie Gesang bei Adelaide von Skilondz und setzte ihre Ausbildung am Salzburger Mozarteum, in Rom, Wien und New York fort. Ihr Debüt gab die Mezzosopranistin 1952 als Azucena in Verdis «Il trovatore» an der Royal Swedish Opera. Dem Haus blieb sie während...

Begrenzt

Theater einfach so, das geht in Pforzheim schon lange nicht mehr. Wenn selbst im benachbarten Karlsruhe der sogenannte bürgerliche Mittelstand nur acht Prozent der Bevölkerung ausmacht, ist er in Pforzheim kaum noch vorhanden. Die Arbeitslosenquote ging zwar 2017 leicht zurück, dennoch bleibt die Stadt Schlusslicht in Baden-Württemberg. Fast jeder zweite Erwachsene...