«Ich will gefordert werden»
Frau von der Damerau, zunächst Ortrud, dann Brünnhilde, bald Ariadne – fühlen Sie sich stimmlich endlich im dramatischen Fach angekommen?
Nein. Ich plane eher virtuos. Deshalb habe ich auch nicht das Gefühl, dass ich irgendwo angekommen bin. Man kann in diesem Beruf nicht allein über seine Entwicklung bestimmen, man muss auch mit den richtigen Partien besetzt werden. Stimme und Persönlichkeit verändern sich im besten Fall ja fortlaufend. Es geht mir aber zum Beispiel nicht darum, Sopran zu sein, sonst würde ich keine Ulrica mehr singen.
Im Moment sehe ich das als Sport, noch alles zu können.
Trotzdem hatten Sie schon immer eine große, kraftvolle Stimme. Insofern könnte der Übergang zum dramatischen Fach doch die letzte Häutung sein.
Es passt einfach. Ich habe einige Stufen ausgelassen, aber das Fach fühlt sich selbstverständlich an. Natürlich gibt es damit echte Herausforderungen, und die wollen gemeistert sein. Aber das sind eben Partien, die man nicht einfach so locker wegsingt.
Und wo liegt Ihre vokale Wohlfühlzone? Bei Ulrica? Erda? Oder Brünnhilde?
Wohlfühlzone ist ein großes Wort. Auch die Solo-Partie einer Mahler-Symphonie bietet gewaltige Herausforderungen, gerade weil ...
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Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: Interview, Seite 72
von Markus Thiel
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