Temperamentvoll
Die Begriffe «Kaleidoskop» und «Mosaik» werden vor allem in der Welt der Neuen Musik gerne gebraucht. In Berlin leisten die freien Gruppen des Solistenensembles Kaleidoskop und des Ensembles Mosaik seit vielen Jahren hervorragende, zum Teil bühnenraumsprengende Musikarbeit. Beim seitens dieser Avantgardisten favorisierten Gebrauch der beiden Termini «Kaleidoskop» und «Mosaik» sind vor allem wohl die bewusste Vereinzelung, der Fokus auf das Individuum, das Geltenlassen der Individualität, das Aufführungsformen Aufbrechende und auch durchaus die Buntheit des Ganzen mitgemeint.
Die ebenfalls in Berlin lebende Sopranistin Fatma Said, 1991 in Kairo geboren und an der Hanns-Eisler-Hochschule für Musik in Berlin ausgebildet, hat nun ihr neues Album «Kaleidoscope» genannt. Man mag sich denken «Why not?» – und hört hinein in diese mutige Playlist, die Said zusammen mit einer ganzen Reihe von Musikerinnen und Musikern zusammengestellt hat. Dabei sind – neben Marianne Crebassa als zweiter Sängerin – unter anderem das (ohnehin auf Genregrenzen nichts gebende) vision string quartet und das Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo unter der Leitung von Sascha Goetzel. Selten gab es wohl ein ...
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Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 44
von Arno Lücker
Am Morgen schien die Sonne. Beim Festakt zum Auftakt der Bregenzer Festspiele sprachen alle würdig, ernst. Von Kunst in Zeiten des Krieges, der Conditio humana. Bundespräsident Alexander Van der Bellen mahnte, dass man sich von einem Diktator nicht spalten lassen dürfe, «weder in Österreich noch in der Europäischen Union». Es erklangen Auszüge aus Tschaikowskys...
Unter den zahllosen berühmten Arien aus Georg Friedrich Händels Opern und Oratorien ist sie vielleicht die berühmteste; fast jede Gesangsstudentin und jeder Counter mit Sopranstimme hat die Noten von «Ombra mai fu» irgendwann während ihrer (respektive seiner) Ausbildung auf dem Pult gehabt – einmal, weil dieses zauberhaft-versonnene Schattenstück aus Händels...
Am 29. Januar 1933, einen Tag bevor Adolf Hitler Reichskanzler wird, schreibt Kurt Weill einen Brief an seine Geliebte Erika Neher, und er macht dabei keinen Hehl aus der miserablen Verfassung, in welcher er sich befindet: «Ich war wieder einmal ein paar Tage ganz verzweifelt, weil mir wieder etwas schiefgegangen war u. ich in einer scheusslichen Stimmung war, u....
