«Ich musste wieder bei null anfangen»
Frau Kulman, wir haben uns im vergangenen Sommer große Sorgen um Sie gemacht. Sie hatten während der Proben zu «Tristan und Isolde» in der Bochumer Jahrhunderthalle einen Unfall. Die Stimme war weg – und damit auch Ihr Debüt als Brangäne bei der Ruhrtriennale. Was genau ist damals passiert?
Ich erhielt einen Schlag auf den Kehlkopf. Jemand sollte mich mit einem beherzten Griff beiseiteschieben. Irgendwie stand ich ungünstig, ein Ellbogen knallte mit voller Wucht gegen meinen Hals. Es war ein Missgeschick.
Willy Decker hatte gerade angefangen, mit uns in der Jahrhunderthalle zu arbeiten. Erster Probentag, erste Szene – da war für mich schon alles vorbei. Es dauerte Monate, bis ich mich von diesem Schock erholt hatte. Das Ganze hätte böse enden können.
Was ging Ihnen in den Minuten nach dem Zusammenstoß durch den Kopf?
Ich spürte sofort, dass kein Ton mehr rauskam. Und sofort stellte sich die Frage: War’s das jetzt? Was soll ich machen, wenn die Stimme kaputt ist? Gibt es für mich eine Alternative? Aber mir fiel nichts ein. Jedenfalls nichts, wofür ich so viel Herzblut mitbringen würde wie für das Singen. Dann redete ich mir ein, irgendetwas werde sich schon ergeben: So schnell lässt du ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Interview I, Seite 48
von Albrecht Thiemann
Eine Reise ans «Staatlich-Aserbaidschanische Akademische Opern- und Ballett-Theater Baku» ist eine Reise in die Vergangenheit. Nicht, weil die 1910 im eleganten Orient-Jugendstil erbaute Oper der Öl-Metropole am Kaspischen Meer ihren sowjetischen Titel auch zwanzig Jahre nach der Unabhängigkeit nicht ablegt. Hier kann man die Aufführungspraxis der frühen Oper...
Frau Saariaho, brauchen Sie die Oper, um ein größeres Publikum zu erreichen?
Ja, so ist es. Denn die Oper bringt ja nicht nur ein größeres Publikum, sondern auch ein gemischteres. Und sie bringt die großen Dirigenten. Wenn es gute Aufführungen sind, ist die Oper für viele Menschen ein gut zugängliches Medium. Von «L’Amour de loin» gab es immerhin acht Produktionen....
Herr Schreier, Sie sind als Oratorien- und Liedsänger berühmt geworden. Die Oper kam erst später hinzu?
Ja, so ist es. Meine Entwicklung ging vom Dresdener Kreuzchor aus, von der Affinität zu den alten Meistern. Warum bin ich überhaupt zur Oper gekommen?! Ich werde es Ihnen sagen: Eine Gesangskarriere kann man nicht ohne Oper machen.
Fühlten Sie sich zur Oper...
