«Ich liebe das andere»
Frau Gens, darf ich Ihnen eine sehr persönliche Frage stellen?
Sie dürfen!
Wie ist Ihr Verhältnis zu Gott?
Ich bin katholisch, daher habe ich eine natürliche Verbindung zu dem Herrn «dort oben». Ich wurde im baptistischen Glauben erzogen und auch so getauft, was sehr speziell ist, bin aber in meinem Verhältnis zur Religion ganz «normal».
Da ich annehme, dass Poulencs «Dialogues des Carmélites» den Hintergrund Ihrer Frage bilden, kann ich Ihnen sagen: Ich fühle eine große Nähe zu diesem Bühnenwerk, und jedes Mal, wenn ich die Rolle der Madame Lidoine verkörpere, fühle ich eine große Empathie für diese Frau. Selbst wenn Sie nicht gläubig sind, macht das Stück etwas mit Ihnen – am Ende «fühlen» Sie etwas. Diese Musik ist so unglaublich stark, und das Schicksal der wahrhaft frommen Frauen bricht einem wirklich das Herz. Auf einem Pariser Friedhof sind die Namen der Opfer in einen Grabstein gemeißelt; das ist wirklich sehr berührend und authentisch, weil es sich stark unterscheidet von Opern wie beispielsweise «Le nozze di Figaro» oder «Così fan tutte», die frei erfunden sind. Die «Dialogues» basieren, wie Sie wissen, auf einer wahren Begebenheit aus der Zeit der Französischen ...
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Opernwelt 2023
Rubrik: Interview, Seite 58
von Jürgen Otten
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Auf der Bühne diesen Sommer bei den Salzburger Festspielen, als wir alle gemeinsam in Mozarts «Le nozze di Figaro» im zweiten Finale «Ah, tutti contenti saremo così» gesungen haben.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
Dort, wo es am inspirierendsten ist: in der Natur. Umgeben von Vogelgesang, Farben, Düften, Bäumen, blauem...
Es fürchte die Götter das Menschengeschlecht?» Weit gefehlt: Semele fürchtet Jupiter nicht mehr, sie langweilt sich. Champagner hat sie genug getrunken; einen Fuchspelz will sie schon aus Gründen des Tierschutzes nicht; noch nicht mal mit einem Tänzchen kann der oberste Gott seine neueste Eroberung bei den Opernfestspielen an der Bayerischen Staatsoper für sich...
In dieser Saison feiert die San Francisco Opera glamourös ihr 100-jähriges Bestehen. Zur ersten Berührung mit dem Operngenre kam es in der Region im Zuge des sogenannten Gold Rush 1849; reisende Operntruppen halfen danach, das Interesse an der Gattung wachzuhalten. Allerdings bedurfte es eines aus Italien in die USA emigrierten Dirigenten, um 1923 eine feste...
