Ist nur ein Traum

Claus Guth zweifelt in seiner Inszenierung von Händels «Semele» im Münchner Prinzregententheater an der Allmacht der Götter

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Es fürchte die Götter das Menschengeschlecht?» Weit gefehlt: Semele fürchtet Jupiter nicht mehr, sie langweilt sich. Champagner hat sie genug getrunken; einen Fuchspelz will sie schon aus Gründen des Tierschutzes nicht; noch nicht mal mit einem Tänzchen kann der oberste Gott seine neueste Eroberung bei den Opernfestspielen an der Bayerischen Staatsoper für sich erwärmen. Dabei singt Michael Spyres wahrhaft göttlich bei Georg Friedrich Händels «Semele» im Münchner Prinzregententheater, überschreitet er die menschliche Norm doch bereits qua Stimmumfang.

Sich schon länger im seltenen Fach eines Baritenors erprobend, streut Spyres Töne aus Basses Tiefen wie aus von Händel nie erreichten Tenorhöhen ein, klingt dabei viril wie ein Bariton und warm wie ein Tenor. Mit «Where’er you walk» fällt ihm ohnehin eines der – Pop und Rock eingeschlossen – schönsten Liebeslieder der Musikgeschichte zu, Teil der Suche nach einer englischen Oper, die Händel mit diesem ziemlich opernhaften Oratorium auch betrieb. Spyres singt es so nobel, mit so viel Schmelz, dass es uns Sterblichen genügen muss, ein erfüllter Augenblick als Abglanz der Ewigkeit. «Der fürchte sie doppelt, den je sie erheben …» Denn ...

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Opernwelt 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 43
von Michael Stallknecht

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