«Ich hatte schon als Baby die Gesangbücher unserer Gemeinde in der Hand»
Die Sopranistin Jeanine De Bique stammt aus der Karibik, genauer: aus Trinidad and Tobago. Sie studierte in New York, gehörte dem Ensemble der Wiener Staatsoper an, verkörperte u.a. die Susanna («Le nozze di Figaro») in San Francisco, Annio («La clemenza di Tito») bei den Salzburger Festspielen und die Alcina in der gleichnamigen Händel-Oper in Paris (siehe OW 01/2022). Ende letzten Jahres erschien ihre Solo-CD «Mirrors», auf der sie Barock-Arien mit dem Concerto Köln präsentiert (OW 01/2022).
Wir treffen uns in einem kleinen, familiär wirkenden Pariser Hotel, einen Tag nach ihrer gefeierten «Alcina»-Wiederaufnahme-Premiere, und ich zeige ihr zum Einstieg Fotos, die mich bei Freunden in Trinidad zeigen. Sie freut sich, ist überrascht – und verweist sehr interessiert und kenntnisreich auf Details im Hintergrund der Fotos.
Frau De Bique, die Trinidad-Fotos …
Ja, auf einem der Fotos ist eine Veranstaltungshalle, die National Academy for Performing Arts abgebildet. Die Person, der diesen Ort erbauen ließ, lebt leider nicht mehr. Patrick Manning, der 14. Premierminister von Trinidad und Tobago, war einer der wenigen Menschen bei uns, der klassische Musik besonders gefördert hat. Noch ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Interview, Seite 36
von Arno Lücker
Wenn Sänger oder Sängerinnen in den Musiktheater-Regiestuhl wechseln, muss das nicht bedeuten, dass sie sich am «Regietheater» abarbeiten oder gar «rächen» wollen. Es kann auch produktiv neue, gleichsam aus der praktischen Arbeitsperspektive gewonnene Energien freisetzen. In diesem Sinne scheint es ein Glücksfall, dass die renommierte, durch ihr Salzburger...
Schon ihr Name war Musik und wurde im Deutschland der Wirtschaftswunderjahre zum Synonym für Italien- und Opernsehnsüchte schlechthin. Am 15. März 1929 im umbrischen Perugia geboren, wo sie später auch ihre Ausbildung erhielt, war sie gerade einmal 20 Jahre alt, als sie im benachbarten Spoleto den ersten Preis bei einem Gesangswettbewerb gewann, der mit einem...
Herr Samoilov, wie geht es Ihnen?
Ich bin sehr, sehr traurig. Ich bin nervös, verzweifelt. Und manchmal alles zusammen. Was ich nicht spüre, ist Aggressivität oder Wut. Ich habe vor allem Angst um meine Familie, die in der Nähe von Odessa lebt, Angst um meine Freunde und Bekannten, Angst aber auch um Menschen, die ich nicht persönlich kenne, die aber diesem Krieg...
