«Ich brauche die große Emotion»

«Dad, Husband, Bass-Baritone», in dieser Reihenfolge steht es auf Nicholas Brownlees Instagram-Account. Die Familie wird wohl zurückstecken müssen, der US-Amerikaner ist auf bestem Weg in den Wagner-Olymp. Im neuen Münchner «Ring» singt er den Wotan, für Bayreuth ist er im Gespräch, in Frankfurt gehört er noch zum Sänger-Ensemble. Ein Gespräch über sein verrücktes Künstlerleben, über das hohe F seiner Tochter und über Rennwagen

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Wie alt ist eigentlich Wotan?
Schwer zu sagen. Ich sehe den «Rheingold»-Wotan als einen jungen Mann. Er ist feurig, ungestüm, fällt die falschen Entscheidungen, plant nichts so richtig. In der «Walküre» hat sich seine Mentalität, seine Denkweise geändert, auch weil er nun Vater geworden ist. Ein riesiger Lebenseinschnitt. Ich wurde mit 27 Jahren Vater, das ist in der heutigen Zeit relativ früh. Ich habe zwei Töchter, zwei und acht Jahre alt. Ich war beim ersten Kind nicht unbedingt darauf vorbereitet.

Allein der Moment im Krankenhaus, wenn sie dir sagen: «Sie können ihr Baby jetzt mitnehmen.» Man kann es nicht ganz fassen – und trotzdem ändert sich sofort alles. Im «Siegfried» ist Wotan dann noch einen großen Schritt weiter. Er durchschaut nun vieles. Übrigens fühle ich mich beim Wanderer stimmlich am wohlsten, auch wenn ich ihn noch nicht auf der Bühne gesungen habe …

… was ungewöhnlich ist. Manche Wotan-Sänger wie John Tomlinson haben den Wanderer erst später riskiert.
Auch Bryn Terfel. Der Wanderer hat für mich stimmlich mehr mit Holländer und Telramund zu tun. Es ist eine Art deutscher Scarpia. Wotan in der «Walküre» ist knifflig, allein wenn man an den wortreichen zweiten Akt ...

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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Interview, Seite 42
von

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