«Ich brauche die große Emotion»
Wie alt ist eigentlich Wotan?
Schwer zu sagen. Ich sehe den «Rheingold»-Wotan als einen jungen Mann. Er ist feurig, ungestüm, fällt die falschen Entscheidungen, plant nichts so richtig. In der «Walküre» hat sich seine Mentalität, seine Denkweise geändert, auch weil er nun Vater geworden ist. Ein riesiger Lebenseinschnitt. Ich wurde mit 27 Jahren Vater, das ist in der heutigen Zeit relativ früh. Ich habe zwei Töchter, zwei und acht Jahre alt. Ich war beim ersten Kind nicht unbedingt darauf vorbereitet.
Allein der Moment im Krankenhaus, wenn sie dir sagen: «Sie können ihr Baby jetzt mitnehmen.» Man kann es nicht ganz fassen – und trotzdem ändert sich sofort alles. Im «Siegfried» ist Wotan dann noch einen großen Schritt weiter. Er durchschaut nun vieles. Übrigens fühle ich mich beim Wanderer stimmlich am wohlsten, auch wenn ich ihn noch nicht auf der Bühne gesungen habe …
… was ungewöhnlich ist. Manche Wotan-Sänger wie John Tomlinson haben den Wanderer erst später riskiert.
Auch Bryn Terfel. Der Wanderer hat für mich stimmlich mehr mit Holländer und Telramund zu tun. Es ist eine Art deutscher Scarpia. Wotan in der «Walküre» ist knifflig, allein wenn man an den wortreichen zweiten Akt ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Interview, Seite 42
von
Aktueller kann Oper kaum sein: Vor gerade mal einem halben Jahr erschien die deutsche Übersetzung von Colum MacCanns «American Mother», und bereits Ende Mai kam die Uraufführung der gleichnamigen Oper im Hagener Theater heraus. Das Libretto schrieb der hochdekorierte, in Irland geborene und in New York lebende Buchautor selbst für die britische Komponistin...
Auf den Titelblättern der Programmhefte dieser beiden Musiktheater-Novitäten prangt (sie sind im selben Hellrot wie das Schriftlogo «Staatsoper Hamburg» gesetzt) eine Zahl, die Bände sprechen soll. Eine «22» für Unsuks Chins «Die dunkle Seite des Mondes», eine «23» für Rodolphe Bruneau-Boulmiers «Die Illusionen des William Mallory». Das Leitungsduo des Hauses an...
Es ist nicht mehr als ein Wort, ein Wörtchen nur – der winzige Seufzer «Ah!». Was Camille Saint-Saëns daraus aber macht in der Vokalise «Le Rossignol et la rose» aus seiner weithin unbekannten Bühnenmusik zu Jane Dieulafoys Schauspiel «Parysatis», weist ihn als ingeniösen Komponisten aus. Wie auf einer Wolkenbank schwebt die Stimme der Nachtigall, von...
