«Ich brauche die große Emotion»
Wie alt ist eigentlich Wotan?
Schwer zu sagen. Ich sehe den «Rheingold»-Wotan als einen jungen Mann. Er ist feurig, ungestüm, fällt die falschen Entscheidungen, plant nichts so richtig. In der «Walküre» hat sich seine Mentalität, seine Denkweise geändert, auch weil er nun Vater geworden ist. Ein riesiger Lebenseinschnitt. Ich wurde mit 27 Jahren Vater, das ist in der heutigen Zeit relativ früh. Ich habe zwei Töchter, zwei und acht Jahre alt. Ich war beim ersten Kind nicht unbedingt darauf vorbereitet.
Allein der Moment im Krankenhaus, wenn sie dir sagen: «Sie können ihr Baby jetzt mitnehmen.» Man kann es nicht ganz fassen – und trotzdem ändert sich sofort alles. Im «Siegfried» ist Wotan dann noch einen großen Schritt weiter. Er durchschaut nun vieles. Übrigens fühle ich mich beim Wanderer stimmlich am wohlsten, auch wenn ich ihn noch nicht auf der Bühne gesungen habe …
… was ungewöhnlich ist. Manche Wotan-Sänger wie John Tomlinson haben den Wanderer erst später riskiert.
Auch Bryn Terfel. Der Wanderer hat für mich stimmlich mehr mit Holländer und Telramund zu tun. Es ist eine Art deutscher Scarpia. Wotan in der «Walküre» ist knifflig, allein wenn man an den wortreichen zweiten Akt ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Interview, Seite 42
von
Die Geschichte ist alt, biblisch alt. Geschrieben steht sie im Ersten Buch Mose, Kapitel vier, und erzählt von jenem Mord, der als Menetekel, als Parabel, ja, als Urbild menschlicher Katastrophen taugt. Ein Bruder erschlägt seinen Bruder und wird von Gott dafür gezeichnet. Die Frage ist nur: Hat er etwas daraus gelernt? Begreift Kain, dass jenes Stigma, dass der...
So, wie er dastand, baumlang, erhaben, unantastbar und würdevoll, wusste man im gleichen Moment: Dieser Mann, der anscheinend durch nichts aus der Ruhe zu bringen war, verdiente, nein: er gebot Respekt. Zur Rolle passte es. An diesem milden Frühlingsabend kurz vor der Jahrtausendwende sang und spielte Matti Salminen an der Deutschen Oper Berlin in Götz Friedrichs...
Epochenumbrüche gehen mit brutalen Verwerfungen einher. Der zwischen Antike und Mittelalter liefert hierfür ein Paradebeispiel. Das Römerreich fällt unter dem Ansturm von Völkern jenseits seiner Grenzen, angeführt etwa von Hunnenkönig Attila. Doch billigt ihm der Regisseur Leo Muscato als Einziger der Hauptfiguren in Verdis 1846 an La Fenice uraufgeführtem Frühwerk...
