Hyperaktiv
Manchmal muss auch der Musikkritiker zum Äußersten greifen – zum Beispiel zu der Presse-Werbe-CD mit ein paar Ausschnitten aus der Musik, die er eigentlich gerade im Theater gehört hat. Es ist, stellt er beim Nachhören fest, eine Musik von sanftem Schmelz und federndem Esprit, gemacht mit dem Willen und der Fähigkeit zu kunstvoller Einfachheit, zum feinen Sentiment der kleinen Melodie auf engem Ambitus, aber auch zur erotisch gurrenden Koloratur.
Mit «Les Chevaliers de la table ronde» komponierte Hervé im Jahr 1866 seine erste (fast) abendfüllende Operette für die Bouffes-Parisiens, nachdem deren Gründer Jacques Offenbach das Haus verlassen hatte. Man spürt das Vorbild, musikalisch, aber auch in der Stoffwahl der Rittergroteske – sei es, weil die neue Direktion einen unmittelbaren Ersatz für Offenbach suchte, sei es aufgrund der sowieso beständigen Rivalität der beiden, die eigentlich gemeinsam als Erfinder der Operette zu handeln sind.
Auch daran möchte aktuell der Palazzetto Bru Zane erinnern, indem er das Stück in den kommenden zwei Jahren bei rund sechzig Vorstellungen zeigen wird, vor allem an französischen Häusern, aber auch am eigenen Stammsitz in Venedig. Die Premiere in ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Michael Stallknecht
Wir blicken auf Christian Thielemanns Scheitel vorne am Pult des Staatsopernorchesters und wissen, dass wir hier richtig sind: im deutschen Wald. Wunderbar süffig erzählen die Hörner vom Abendsegen, flauschig übernehmen die Streicher, pikant assistiert das Holz. Mit Akribie führt einer der zur Zeit besten Wagner-Dirigenten vor, was Engelbert Humperdinck von Richard...
«Wenn Ihr nicht alle so langweilige Kerle wärt, müsste das ‹Rheingold› in zwei Stunden fertig sein», wetterte einst Richard Wagner. Selbst Hans Richter brauchte bei der Uraufführung 1869 in München zweieinhalb Stunden für den «Vorabend» zum «Ring». Nun liegt der Mitschnitt einer konzertanten «Rheingold»-Aufführung vor, wieder aus München. Simon Rattle ist – nach...
Glitzerpianisten, Violinwunder, Vokalartisten hin oder her – im Klassikbetrieb steht der Dirigent an der Hierarchiespitze: qua Aura, Bandbreite und sozialer Sonderrolle. Er ist der solitäre Lenker, ihm müssen Musiker folgen, egal, ob er kühl-autoritär auftritt wie Lorin Maazel oder sich demokratisch gesinnt gibt wie Claudio Abbado. Seine gestisch zwar sichtbare,...
