Editorial

Der Tod war schon dem jungen Mann auf den Fersen. Dem lebenshungrigen, neugierigen, lässigen Theaterwunderkind, das gerade in München mit einer Inszenierung von Edward Bonds «Die See» Furore gemacht hatte. Mitte zwanzig war Luc Bondy, als er die erste Krebsdiagnose bekam. Damals konnte er den Kampf mit der Krankheit für sich entscheiden, mit Medikamenten, verträumtem Trotz und einem melancholischen, die Endlichkeit der menschlichen Existenz reflektierenden Humor. Aber sie kam wieder, immer wieder. Ende November hat der Krebs ihn niedergestreckt.



«Leben? Oder Theater?» – in dem Titel des 800 Gouachen umfassenden Bildertagebuchs der Künstlerin Charlotte Salomon, die 1943 in Auschwitz ermordet wurde, fand Bondy am Ende seiner über vier Jahrzehnte gespannten Zauberspielerkarriere auch die eigenen Leitfragen wieder. Freilich blieben die Sphären untrennbar, wundersam verzahnt. Kunst ohne gelebtes, geliebtes Leben – das war für diesen fragilen, sanftmütigen, scharfsichtigen Flaneur in den Passagen der Gefühle so undenkbar wie ein Leben ohne Kunst. Dass die Salzburger Festspiele im Sommer 2014 mit einer Oper von Marc-André Dalbavie und Barbara Honigmann an das grausame Schicksal der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Wiebke Roloff & Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Verdi an der Met

Armer Shakespeare! Wie haben sie ihn misshandelt!», nörgelte Giuseppe Verdi, nachdem er die Partitur zu Ambroise Thomas’ «Hamlet» durchgesehen hatte. Freilich meinte er damit vor allem das Libretto. Er hatte eigentlich ja selbst vor, einen «Hamlet» zu komponieren. Oder «Romeo und Julia». Oder den «Sturm». Oder aber, und vor allem, sein Lieblingsschauspiel «Lear»....

Infos

Jubilare

Sie kam in Yorkshire zur Welt, erhielt ihre Gesangsausbildung in Leeds sowie an der Guildhall School of Music and Drama in London und debütierte mit der Glyndebourne Touring Opera als Despina in Mozarts «Così fan tutte». Sandra Dugdale gilt als eine der führenden britischen Koloratursopranistinnen ihrer Generation. Sie hat über 80 Rollen auf europäischen...

Des Teufels Arsch

Von verstärkten Sicherheitsmaßnahmen war trotz anhaltender Alarmstimmung in Folge der Pariser Anschläge nichts zu bemerken, als die römische Oper im Teatro Costanzi mit Henzes «Bassariden» einen außergewöhnlichen Saisonstart feierte. Im neubestuhlten Saal fand sich ein bunt gemischtes Publikum ein: diverse ranghohe Staatsdiener samt Wirtschaftsminister und...