Hyper-Verismo
Welch ein Finale! Ein berückendes Streicherflirren, ein opalisierendes Flimmern, ein Farbenfunkeln im verschwebenden Pianissimo, unterwegs ins Wesenlose. Lautenklang mischt sich drein, Schalmeienton, Oboenkringel, vor allem aber die altertümlich, ja, fast exotisch wirkende Viola pomposa. Und: Frauenstimmen von fern. Ein immerzu changierendes Band der Tonpoesie. Debussy, denkt man, Richard Strauss bisweilen, auch Schreker, Mascagni, selbst Wagner. Der verzehrend schöne erste Aktschluss von Riccardo Zandonais «Francesca da Rimini» ist’s.
Paolo der Schöne erscheint, um für seinen zerschossenen, lahmenden Bruder Gianciotto bei der Titelheldin zu werben. Und singt kein einziges Wort. Eine Pantomime, bevor die Tragödie um Liebe, Eifersucht, Verrat und Mord ihren Lauf nimmt. Fabrice Bollon und das Philharmonische Orchester Freiburg breiten die singuläre Szene mit aller nur denkbaren Behutsamkeit aus. Man ist weit gekommen miteinander.
Am Anfang war Marek Janowski. Als er – 41 Jahre ist’s her – im Breisgau seine erste GMD-Stelle antrat, tat er das mit der Absicht, in jeder Spielzeit ein abgelegenes Werk konzertant aufzuführen. Nach zwei Jahren schied der Dirigent in Richtung Karriere. ...
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Opernwelt September/Oktober 2013
Rubrik: Magazin, Seite 99
von Heinz W. Koch
Das Festival della Valle d’Itria in Martina Franca, traditionell der Wiederentdeckung vernachlässigter Werke und der Förderung junger Talente verschrieben, präsentierte sich in diesem Jahr mit einem komödiantischen Schwerpunkt. Den walzer-trällernden Auftakt machte mit «Crispino e la comare» ein Gemeinschaftswerk der neapolitanischen Brüder Federico und Luigi Ricci...
Es gibt ein paar Dinge, die machen diese Aktion richtig hügelheimelig. Das Bratwurstdoppel in der Semmel. Das örtliche Weißbier. Die Temperaturen, die sich in der Oberfrankenhalle der Dreißigermarke nähern. Kurz vor der Prestigeanstrengung mit dem neuen «Ring» stemmen die Bayreuther in Kooperation mit der Oper Leipzig ein Vor-Festspiel. Dort, wo sonst Handballer,...
Götter mögen keine Kekse. Deshalb bringen die Menschen in den Longshan-Tempel Äpfel mit, auch Bananen, Papaya und Blumen. Viele der Götter, die hier versammelt sind, scheinen gemischte Teller zu bevorzugen: Je bunter die Opfergaben, desto bereitwilliger werden Gebete erhört. Kekse gibt es trotzdem – zur Stärkung der Gläubigen und zur Stärkung der Tempelkasse. Wer...
