Husarenstreich
Den Narren nimmt er ziemlich ernst. In seiner Essener «Wozzeck»-Inszenierung verdreifacht Martin G. Berger die Randfigur und macht sie zum Ventil für Wozzecks Wahn. «Wer’s sieht – wie Du! Der kann auf Erden nur Mörder oder Narr noch werden …», so dichtet der Regisseur für die selbstgemachte Ouvertüre; diese besteht aus dem «Nacht»-Stück aus Alban Bergs «Sieben frühen Liedern» sowie bearbeiteter expressionistischer Lyrik. Wozzeck hat plötzlich eine Wahl. Allerdings mit riesigen Konsequenzen für das Stück.
An diesem Abend stimmt alles, angefangen beim zunächst minimalistischen Bühnenbild von Sarah-Katharina Karl, das im Handumdrehen riesige Zuckerstangen oder blutige Inkubatoren zutage fördert. Die detailverliebten Kostüme von Esther Bialas erzählen das große Ganze des modernen sozialen Elends, auch wenn es immer etwas unangenehm ist, mitansehen zu müssen, was man sich in der Oper unter «arme Leut’» vorstellt (natürlich Jogginghose und Fernsehen). Heiko Trinsinger ist ein idealer Wozzeck. Er hat sich Bergs Musik zur Natur gemacht, steigert sich in Verzweiflung und Wahnsinn hinein und bedient mit seinem Wechsel auf die Narrenseite auch die harlekinische Spielfreude. Deirdre Angenents ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Anna Chernomordik
Beethovens einzige Oper «Fidelio» hat schon vieles über sich ergehen lassen müssen: Kürzungen, Striche, Umstellungen, neu geschriebene Dialoge – und seit Wieland Wagners Stuttgarter Inszenierung 1954 oft auch deren kompletten Ersatz durch verbindende literarische Zwischentexte. Zum Beethoven-Jahr 2020 (wegen Corona erst jetzt uraufgeführt) verpasste ihr die...
Die Flüge nach Rio, Caracas, sogar nach Salzburg? Alle gecancelt. Und die Stimmung im Terminal? Bestens. Was weniger an den Gutscheinen für die Bar liegt, sondern am Zeitvertreib während der Wartezeit. Zwei Männer spielen Fußball, die Melodien von Ferrando und Guglielmo auf den Lippen. Eine mondäne Frau betrauert mit «Porgi amor» ihre Beziehung, zum ersten...
Warum spuckst du mich an?», fragt Richard die aufgebrachte Anne, die Witwe des Prinzen Edward, den er auf dem Gewissen hat. Von ihrem Speichel getroffen, hat sich zuerst der Tänzer Richard zusammen -gekrümmt, der dessen Körper darstellt. Dann der Sänger, der wohl seine Seele verkörpert. Und zuletzt reagiert eben der Schauspieler, das Sprachrohr seines Intellekts....
