Hochspannung

Wagner: Siegfried
Düsseldorf | Oper am Rhein

Opernwelt - Logo

Der Düsseldorfer «Ring» nimmt mit «Siegfried» nun doch noch richtig Fahrt auf. Regisseur Dietrich W. Hilsdorf, der lange mit Wagner fremdelte, scheint seinen Widerstand gegen das «Gift der Musik» – das er noch vor dem «Rheingold» beklagte (und mit der Lektüre der Zeitgenossen Börne und Zola in seiner Wirkung zu mildern versuchte), aufgegeben zu haben.

Schon «Das Rheingold» nahm er auf Dieter Richters mit Glühbirnen gesäumter Varieté-Bühne demonstrativ als leichtes Konversationsstück, zeigte die «Walküre» als delikates Kammerspiel im düsteren Ambiente von Hitlers Wolfsschanze. Witzige Details und überraschende Einsichten boten beide Abende. In der Summe aber schlug Hilsdorfs ironische Distanz zu wenig produktive Funken – die kassierte Fallhöhe zeitigte eine flaue Grundstimmung.

Auch bei «Siegfried» gibt es nun etliche komische Momente; etwa wenn der Titelheld mit der Tarnkappe herumspielt und das goldene Tuch mal als Lätzchen, mal als Röckchen rafft. Oder wenn der Wanderer auf dem Fahrrad mit Jutebeutel, den ein aufgesticktes «W» ziert, daherkommt, ganz frankophil Rotwein zum Baguette serviert – und bei der Wissenswette mit Mime die in dessen Behausung installierten Friseurstühle ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Regine Müller

Weitere Beiträge
Großes Kino

Vielleicht lag es an der Komplexität der Partitur, vielleicht am Zeitpunkt der Pariser Uraufführung 1936, wenige Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg. Vielleicht lag es aber daran, dass Georges Enescu nicht die Bedeutung zukam, die er als Komponist verdient hätte. «Oedipe» jedenfalls, seine einzige Oper, schaffte es nie in den Kanon. In Deutschland wurde das Werk erst...

Ein Naturereignis, ungeheuerlich

Versunken sitzt er da. Die Schultern eingezogen. Die Arme auf dem provisorischen Schreibtisch ausgebreitet. Tief gebeugt über das unvollendete Werk. Als laste alles Unrecht unter der Sonne auf ihm. Als drücke der Erdenkreis ihn nieder, um dessen schreiend zartes, wimmernd wunderbares Klangbild er hier, in der Stille der römischen Villa Massimo, kämpft. Ein...

Frühbarockes Meisterwerk

Obwohl das Werk schon in seinem Entstehungsjahr 1625 in einem aufwendigen Druck erschienen ist, hat die erste Oper einer Komponistin bis vor Kurzem wenig Aufmerksamkeit gefunden. Jetzt aber steigt das Interesse: Im November 2017 gab es bei den Tagen Alter Musik in Herne eine konzertante Aufführung, die Wuppertaler Oper hat das Werk für ein interaktives Projekt...