Hinreißendes Vermächtnis
Seine letzte Oper sollte eine lustige sein – so der ausdrückliche Wunsch des belgischen Komponisten Philippe Boesmans, den er Freunden im Februar 2022, rund zwei Monate vor seinem Tod, mitteilte. Nach all jenen Tragödien, die er bis dahin geschrieben habe, vor allem nach «Julie» auf Strindberg, wolle er mit totaler Leichtigkeit (légèreté) und Nachlässigkeit (insouciance) schließen, mit dem völligen Verzicht auf jegliche Bosheit (méchanceté), Poesie und auf Spiritualität.
Boesmans’ Wunsch wurde Wirklichkeit – in dem Musiktheater «On purge bébé!» auf ein Lustspiel des französischen Komödiendichters Georges Feydeau, mit dem Libretto von Richard Brunel, uraufgeführt am Théâtre de la Monnaie in Brüssel.
Der Abend liegt nun als Live-Mitschnitt vor. Darin vermittelt sich auf höchst eindrückliche Weise noch einmal die hohe Kunst dieses Komponisten, menschliche Charaktere (samt ihrer Abgründe) in ein vielschichtiges musikalisches Psychogramm einzuspeisen, allerdings mit dem feinen Unterschied, dass die Figuren in «On purge bébé!» dem Drama entwichen und nun Teil einer einaktigen Oper sind, die sich, quasi eins zu eins aus dem Geiste Feydeaus, über menschliche Unzulänglichkeiten, wenn nicht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 31
von Jürgen Otten
Rassismus in den USA wird nicht erst seit der Tötung des Afroamerikaners George Floyd durch einen weißen Polizisten vorwiegend mit der massiven Diskriminierung von Schwarzen identifiziert. Tatsächlich kennt der Rassismus im größten Einwandererland der Erde seit Jahrhunderten viele Spielarten, die von der schieren Menschenverachtung über den Nationalismus und den...
Verdis «La traviata» ist der Triumph einer Figur. Violetta Valéry ist die emotional schillerndste, vokal komplexeste Sopranpartie des Komponisten. Wie in keiner zweiten seiner Opern konzentriert sich das Interesse ausschließlich auf die Edelkurtisane. Wer sie erfolgreich verkörpern will, muss drei Stimmen in einer besitzen – nämlich gleichermaßen über stupende...
Kurz ist er, der Sommer der Anarchie. Kurz, aber intensiv. Und voller Widerstandsgeist. Verantwortlich dafür ist insbesondere jene junge Pariserin mit dem charmant-altmodischen Vornamen Clairette, die man in den Gassen rund um das Quartier des Halles gut kennt und ihres couragierten Charakters wegen schätzt, die aber über die Grenzen Frankreichs kaum bekannt sein...
