Menschliches, allzumenschliches
Panta rhei. Alles fließt. Weniger das Wasser, das sieht man hier nicht. Aber Paare und Passanten strömen dahin, mit all ihren flüchtigen Gedanken, Empfindungen, Wünschen, Sehnsüchten. Ein bestimmtes Ziel scheint keiner von ihnen zu haben, aber immerhin: Sie sind in Bewegung, weil Stillstand das Schlimmste wäre auf der Suche nach dem, was mit einem so großen Wort belegt ist: «Wie schwierig ist es, das Glück zu finden», singt Giorgetta irgendwann, fast beiläufig. In diesen wenigen Worten liegt das Dilemma nicht nur ihrer Existenz.
Auch Michele, der Mann, den sie nicht mehr liebt, Luigi, ihre Amour fou, und Tinca, der mit Alkoholexzessen den Schmerz über seine untreue Ehefrau zu tilgen sucht – sie alle leiden am Leben, an dessen Bedingungen. An der condition humaine.
Man kann das im ersten Stück der Trilogie als soziales Drama zeigen, schließlich sind die Protagonisten Seine-Schiffer, die um jeden Sou kämpfen müssen. Man kann es aber auch so machen wie Wolfgang Nägele am Saarländischen Staatstheater: Er zeigt uns die Menschen als Getriebene, voneinander Entfremdete, nur momentweise imstande, sich aus der straffen Klammer der Traurigkeit zu befreien, die sich um ihren Hals windet wie ...
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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Jürgen Otten
JUBILARE
Christopher Robson, 1953 im schottischen Städtchen Falkirk geboren, gilt als einer der Pioniere und bedeutenden Vertreter des Countertenor-Gesangs. Seit seinem Debüt an der English National Opera (ENO) in Monteverdis «L’Orfeo» interpretierte er dort in 17 Jahren zahlreiche Rollen vom Barock bis zur Moderne, unter anderem Arsamene in Händels «Ser -se»,...
Die Tonart verheißt wenig Gutes. h-Moll, das klingt nach Unheil, nach Verderben, sogar nach Tod. Und all dies fürchten die Hebräer, denen man zuvor die Freiheit geraubt hat. Aus den Lamellen schleichen sie nun herein, barfüßig, bangen Blickes, die Körper geduckt, die Hände gen Himmel gereckt, als breiige Masse, gekleidet in schwarze Traueranzüge, unter denen sich...
Vielleicht war es Zufall, vielleicht sublime Dramaturgie. Zwei Aufführungen des Teatro Real an aufeinander folgenden Tagen boten in Madrid Variationen eines Opernurstoffs: eine Frau zwischen zwei Männern. Die Uraufführung «La Regenta» von Marisa Manchado Torres fand nicht im Haupthaus statt, sondern in einem Saal des 2006 eröffneten Kulturzentrums Matadero. Der...
