Erfüllte Tiefe
Gelegentlich wurde Kurt Moll im Zusammenhang mit seinem Familiennamen nach Kalau gebeten – etwa mit der Behauptung, dass der Name «Dur» dem weitgehend heiteren Wesen des Sängers adäquater gewesen wäre. Moll nahm dies mit nachsichtigem Schmunzeln, unterstrich damit die humorvolle Grundtönung seiner Lebensdisposition.
In der Tat war das Glas bei ihm meist halbvoll; so hat ihn der Verfasser dieser Rezension, der den gastierenden Bassisten in den 1960er-Jahren als Regieassistent und Abendspielleiter an der Bonner Oper einige Male in laufende Inszenierungen einweisen durfte, auch kennengelernt.
Diese Bonner Gastspiele fielen in die Zeit seines Engagements in Wuppertal unter dem Intendanten Arno Wüstenhöfer, der bereits vorher in Aachen sein Chef gewesen war und sich (neben seiner Entdeckung der Choreografin Pina Bausch) durch die Förderung der gemäßigten zeitgenössischen Oper profilierte – Molls Biograf Robert Hanzlik erwähnt unter anderem die Titelpartie im «Puntila» von Paul Dessau und den Exorzisten in Pendereckis «Teufel von Loudon». Dies setzte sich dann in jenen Jahren fort, die Moll bei Rolf Liebermann an der Hamburgischen Staatsoper verbrachte, wo er unter anderem in Mauricio ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 32
von Gerhard Persché
Kurz ist er, der Sommer der Anarchie. Kurz, aber intensiv. Und voller Widerstandsgeist. Verantwortlich dafür ist insbesondere jene junge Pariserin mit dem charmant-altmodischen Vornamen Clairette, die man in den Gassen rund um das Quartier des Halles gut kennt und ihres couragierten Charakters wegen schätzt, die aber über die Grenzen Frankreichs kaum bekannt sein...
Richard Straussens «Elektra» ist zwar, der monströsen Musik zum Trotz, ein kompaktes Werk; dass es aber ausgerechnet in einem Ausweichquartier zu einer seltenen Kraft und Durchdringung kommt, war so nicht zu erwarten. Der Regisseurin Nina Russi und dem Dirigenten Enrico Calesso gelingt dieses eigentlich gar nicht so kleine Musiktheaterwunder in der Theaterfabrik...
Vielleicht war es Zufall, vielleicht sublime Dramaturgie. Zwei Aufführungen des Teatro Real an aufeinander folgenden Tagen boten in Madrid Variationen eines Opernurstoffs: eine Frau zwischen zwei Männern. Die Uraufführung «La Regenta» von Marisa Manchado Torres fand nicht im Haupthaus statt, sondern in einem Saal des 2006 eröffneten Kulturzentrums Matadero. Der...
