Hinreißend
Seit seiner Ernennung zum Künstlerischen Leiter des Nischni Nowgoroder Opernund Balletttheaters im Jahr 2022 hat Alexej Trifonow planmäßig damit begonnen, das Gesicht des Hauses zu verändern, das in der Post-Perestroika-Zeit beim Publikum kaum noch auf positive Resonanz stieß. Indem er geschickt in der komplexen kulturpolitischen Landschaft laviert, gelingt es dem Intendanten, den Spielplan nicht nur mit Standardwerken «verdienter» Kultuschaffender zu bereichern, sondern auch talentierte Regisseure der jüngeren Generation zu engagieren.
Während frühere Arbeiten der jungen Jelisaweta Moros auf der Nischni Nowgoroder Bühne (Händels «Il trionfo», Bizets «Carmen») bisweilen unter übermäßiger Buntheit litten und detailüberladen waren, zeugte schon ihre Lesart von Mozarts «Così fan tutte» (2024) und nun auch von Offenbachs «Les Contes d’Hoffmann» eine gewachsene Kühnheit in der Interpretation des Mainstream-Repertoires. Gleichzeitig offenbaren diese Arbeiten einen reiferen Ansatz bei der Herausarbeitung der dramaturgischen Essenz der Werke. In Mozarts Oper beispielsweise inszeniert Moros eine Büroromanze mit Elementen der Augmented Reality im Ambiente eines Hightech-Büros; die Aufführung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2025
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Konstantin Nikischin
Husten. Babygeschrei. Pingpong. Die Sound-Kulisse des wirklichen Lebens. Der Realismus des Regisseurs Kirill Serebrennikow findet auch akustisch statt, noch bevor das Concertgebouworkest unter Vasily Petrenko seinen Klangluxus entfalten kann. Serebrennikow, der, wie üblich, sein eigener Bühnenbildner ist, hat die enorme Bühnenbreite der Amsterdamer Oper mit einer...
Es ist eine pro domo-Publikation, herausgegeben von zwei Mit -arbeitern des Intendanten Dietmar Schwarz. Dieser verabschiedet sich nach 13 Jahren und bekommt bestätigt, was er am liebsten hört: «Tatsächlich haben Sie in 13 Jahren so viele Opern und Neukompositionen in Auftrag gegeben wie kein anderes Haus in Europa.» Darauf Schwarz: «Wenn das so stimmt, dann trifft...
In London schien am 17. Juni die Sonne, doch über Großbritanniens Kapitale bildeten sich an diesem Tag dunkle Wolken: Alfred Brendel war gestorben. Mit ihm verliert die Musikwelt nicht nur einen großen Musiker und Essayisten; zugleich bedeutet Brendels Tod die Schließung jenes geheimnisumwitterten Generalsekretariats für Genauigkeit und Seele, dessen...
