Hinreißend
Seit seiner Ernennung zum Künstlerischen Leiter des Nischni Nowgoroder Opernund Balletttheaters im Jahr 2022 hat Alexej Trifonow planmäßig damit begonnen, das Gesicht des Hauses zu verändern, das in der Post-Perestroika-Zeit beim Publikum kaum noch auf positive Resonanz stieß. Indem er geschickt in der komplexen kulturpolitischen Landschaft laviert, gelingt es dem Intendanten, den Spielplan nicht nur mit Standardwerken «verdienter» Kultuschaffender zu bereichern, sondern auch talentierte Regisseure der jüngeren Generation zu engagieren.
Während frühere Arbeiten der jungen Jelisaweta Moros auf der Nischni Nowgoroder Bühne (Händels «Il trionfo», Bizets «Carmen») bisweilen unter übermäßiger Buntheit litten und detailüberladen waren, zeugte schon ihre Lesart von Mozarts «Così fan tutte» (2024) und nun auch von Offenbachs «Les Contes d’Hoffmann» eine gewachsene Kühnheit in der Interpretation des Mainstream-Repertoires. Gleichzeitig offenbaren diese Arbeiten einen reiferen Ansatz bei der Herausarbeitung der dramaturgischen Essenz der Werke. In Mozarts Oper beispielsweise inszeniert Moros eine Büroromanze mit Elementen der Augmented Reality im Ambiente eines Hightech-Büros; die Aufführung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2025
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Konstantin Nikischin
arte
04.08.– 00.05 Uhr Francesco Cilea: Adriana Lecouvreur
Nach der erfolgreichen ersten Zusammenarbeit mit Lettlands Nationaloper bei Poulencs «Dialogues des Carmélites» kehren Vincent Boussard und sein Team nach Riga zurück, um Francesco Cileas Musikdrama «Adriana Lecouvreur» in einen barocken Rahmen zu setzen und ihm zugleich einen modernen regenbogenbunten...
Sämtliche Opern von John Adams wurden an der Met bislang auf die Bühne gebracht, nach «Nixon in China»( 2011) ist «Antony and Cleopatra» aber erst die zweite, die der Komponist selbst dirigiert. Ein faszinierender Abend, aber auch bei Adams – ähnlich wie bei Samuel Barber in seiner 1966 uraufgeführten Version des Sujets – bleibt offen, ob Shakespeares Schauspiel...
Am Ende zerren italienische Freiheitskämpfer ihre Symbolfigur und deren Geliebten vor das Erschießungskommando. Eine Gewehrsalve streckt die Hohepriesterin der Revolution und den Kommandeur der österreichischen Fremdherrscher nieder. Nichts ist es mit dem romantischen Liebestod. Olivier Py verklammert in seiner Inszenierung zwei geschichtliche Momente: die...
