Falsch verstandene Träume
Antonio Caldara gilt schon lange nicht mehr als jener barocke Kleinmeister, als den man ihn lange Zeit klassifiziert hatte. Für seine Zeitgenossen war er einer der bedeu -tendsten Komponisten überhaupt, seine Berufung an den Wiener Kaiserhof Karls VI., an dem er von 1716 bis zu seinem Tod 1736 wirkte, und die enorme Verbreitung seiner Musik in ganz Europa unterstreichen die hohe Wertschätzung, die Caldara entgegen -gebracht wurde.
Die moderne Musikwelt und nicht zuletzt die Tonträgerindustrie haben Caldara als vielseitigen Komponisten wiederentdeckt, der handwerkliche Meisterschaft mit schier unerschöpflichem Einfallsreichtum verbindet.
In Wien war Caldara für verschiedene Bereiche der Hofmusik zuständig. Neben der Komposition von Opern, viele in Zusammenarbeit mit dem Hofpoeten Pietro Metastasio, gehörte die alljährliche Komposition von Oratorien zur Fastenzeit zu seinen Aufgaben. «Gioseffo che interpreta i sogni» (Joseph, der Traumdeuter) wurde am 28. März 1726 in der Wiener Hofkapelle erstmals aufgeführt. Das Libretto von Giovanni Battista Neri dramatisiert die Kapitel 40 und 41 des 1. Buchs Mose. Joseph, der nach Ägypten verschleppte Sohn Jakobs, wurde aufgrund einer ...
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Opernwelt August 2025
Rubrik: Medien, Seite 37
von Thomas Seedorf
arte
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