Tödliches Schicksal
Eigentlich meint es das Schicksal gut mit Atys. Der sanfte, etwas schüchtern-zurückhaltende Jüngling wird geliebt von einer zauberhaften Nymphe. Und da auch Sangaride, die Tochter des Flussgottes Sangare, ihn anbetet, stünde dem Glück der beiden nichts mehr im Weg – wären da nicht jene zwei «Figuren», die ihre emo -tionale Neigung mit dem Besitz der Macht und deren Missbrauch verknüpfen. Hier Cybèle, dort Célénus. Die Göttin hat sich in den schönen, edlen Atys verguckt, dem phrygischen König wurde Sangaride zur Gattin versprochen.
Und das hat Folgen: Atys und Sangaride werden in einen verhängnisvollen, tödlichen Strudel gezogen, aus dem es kein Entrinnen gibt. Von finsteren Dämonen getrieben, erdolcht der für Augenblicke dem Wahn Verfallene seine Geliebte, die ihn zu dieser abscheulichen Tat trieb; als er aus der Trance erwacht und sieht, was er getan hat, richtet er sich selbst. Kein lieto fine, nirgends.
Als Jean-Baptiste Lullys Tragédie lyrique, die den Namen des Unglücksraben im Titel trägt, Anfang 1676 am Hofe Louis XIV, auf Schloss Saint-Germain-en-Laye, uraufgeführt wurde (mit einer entsprechenden Huldigung des Sonnenkönigs im «Prologue»), war es das erste Mal, dass ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2025
Rubrik: Medien, Seite 34
von Jan Verheyen
Die Schweizer Sprache hält einige Besonderheiten bereit, die man von außen her doch eher amüsiert betrachtet. Dazu zählt auch, neben der charmanten Begrüßung «Grüezi» und der flotten sportlichen Anfeuerung «Hopp Schwyz» auch der Begriff des «Redaktors», der bei Weitem nicht so charmant klingt wie das hochdeutsche «Redakteur», dieser eher prosaischen Tätigkeit aber...
Der Rhein ist in Grußweite. Ein paar hundert Meter weiter fließt die Mosel. Dazwischen das überdimensionierte Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck. Bei so viel malerischer Pracht geht das Theater Koblenz zwischen den herrschaftlichen Bauten irgendwie unter, eingepfercht zwischen prächtigen Fassaden – und erst recht, wenn das Gebäude, so wie jetzt, von mehreren...
Sagen wir es rundheraus: In diesem Jahr strahlen die Hauptveranstaltungen des Festivals keinen Glanz aus, weder von innen noch von außen. Das Gedenkkonzert «Hændel», bestehend aus Arien und Chören des Barockmeisters, zeigte zwar die Schönheit und Eleganz seiner Musik, nicht aber die Tiefe der Affekte oder sogar die Unendlichkeit des Leidens. Teodor Currentzis...
