Himmelhoch, tiefbetrübt
Ist es nur mit dem Fluktuieren von Moden zu erklären, dass Giacomo Meyerbeer in den letzten Jahren nicht nur mit seinen Hauptwerken auf die Bühne zurückgekehrt ist? Mag die Frage, ob des Komponisten theatralisches savoir faire volle Entsprechung in den musikalischen Qualitäten findet, noch nicht ausdiskutiert sein, so kann es an der Aktualität seiner vielleicht bedeutendsten Opern wenig Zweifel geben. In «Les Huguenots» wird wie in «Le Prophète» ein religiöser Konflikt verhandelt.
In Letzterem Fall geht es um eine Revolte im Münster der Jahre 1534 und 1535: den Aufstand des Wiedertäufers Jan van Leyden und seiner Anhänger gegen die etablierte Herrschaft. Mit fatalen Folgen: Im Moment ihres Erfolgs schlägt die Revolution in ein Unrechtssystem um, das noch gewalttätiger ist als das bekämpfte.
Im April 2017 gelang dem Essener Aalto-Musiktheater ein glänzendes Plädoyer für Meyerbeers abgründig-pessimistische Weltenbrand-Parabel (siehe OW 6/2017). Nach wie vor gehört «Le Prophète» zu den Stiefkindern der Diskografie – es gibt eine Studioproduktion mit Marilyn Horne und James McCracken und sechs Mitschnitte. Insofern kann man das nun veröffentlichte Live-Dokument aus Essen als Großtat ...
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Opernwelt April 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Jürgen Kesting
Nach wie vor gilt Bohuslav Martinůs «Julietta» als Rarität, obwohl es in letzter Zeit einige gelungene Wiederbelebungsversuche gab, darunter in Berlin, Zürich und Frankfurt. Nun hat sich – in deutscher Fassung – auch das Wuppertaler Opernhaus auf dieses formal eigenwillige Werk eingelassen, das Sprechgesang, gesprochene Dialoge, Volkstümliches, Jazziges und...
Ein Gespenst geht um in Europa. Doch nicht jenes furchterregende Schreckensbild, das Karl Marx und Friedrich Engels 1848 in ihrem «Kommunistischen Manifest» heraufbeschworen, verbirgt sich hinter der schwarzen Maske. Es ist, wer hätte es gedacht, der Kapitalismus, dessen Wesen und Wirkung die Menschen – neben zahllosen anderen rationalen wie irrationalen...
Ein Sonntagmorgen in Kassel. Die Stadt liegt noch im Schlummer. Auch rund ums Staatstheater am Friedrichsplatz sind nur einige versprengte Frühjogger zu sehen. Doch in einem der Zimmer brennt Licht. Und dort empfängt, nur zehn Stunden nach der begeistert aufgenommenen Premiere von Leoš Janáčeks «Jenůfa», Francesco Angelico zum Gespräch.
Seit Beginn dieser...
