«Hier willst du arbeiten»
Butterfly packt es heute einfach nicht. Dass sie erkältungshalber bei der Klavierhauptprobe keinen Ton singt, na gut. Aber dass sie auch noch alles vergessen würde, was sie in den szenischen Proben eigentlich schon ganz gut draufhatte, damit hatte keiner gerechnet.
Sichtlich nervös verfolgt Jetske Mijnssen vom Regiepult in den Zuschauerreihen des Basler Theaters aus, wie sich ihre Idee von einer selbstbewussten Cio-Cio-San plötzlich in Luft aufzulösen scheint und wie stattdessen wieder genau das gefürchtete Diva-spielt-Kindchen-Klischee auftaucht, das offenbar viele Sopranistinnen dieser Welt irgendwo auf ihrer DNA einprogrammiert haben. Das ist bei Weitem nicht das Einzige: Die chinapuppenbunten Kostüme des Frauenchors im ersten Akt wirken auf der großen Bühne, vor den blassgrauen Rohbauwänden von Leutnant Pinkertons Fertighaus, plötzlich so dominant, dass Butterfly in ihrem weißen Kimono-Hosenanzug nur ein blasser Falter unter lauter leuchtenden Schmetterlingen ist. Und dann auch noch die Perücke mit den lose herunterfallenden Flechten, die sie auf einmal aussehen lässt wie Anna Karenina mit Beauty-Maske. Und, und und – fast wirkt es, als ob dieser erste Durchlauf auf der großen ...
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