Herzerfrischend frivol

London, Ravel: L’Heure espagnole. Puccini: Gianni Schicchi

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Engel, heißt es, beneideten uns Menschen, weil wir über einen Körper verfügen. Wenn das stimmt, können sie dem Doppelabend am Royal Opera House nur ihren Segen erteilt haben. In Ravels «L’Heure espagnole» wie in Puccinis «Gianni Schicchi» dreht sich alles ums irdische Begehren – auf der Folie von Sex (Ravel) und Geld (Puccini). Dass Sex und Geld als anrüchig gelten, spielt keine Rolle. Die Moral lautet: Da wir nun mal nur dieses eine Leben haben, sollten wir derlei Gelüsten nachgeben, so lange uns dies vergönnt ist. Kein Wunder, dass die Engel uns beneiden.


Bevor über Richard Jones’ Inszenierung das Licht angeht, nimmt uns bereits ein Lustobjekt auf dem Eisernen Vorhang gefangen: ein Kleid, grell rosa, Punktmus­ter, perfektes Dekolleté. Ob für Mann oder Frau – es ist ein verführerisches Entrée zu Ravels pikanter Komödie über die Gattin eines Uhrmachers (Concepcion), die sich nach einem starken männlichen Körper sehnt. Ihr Mann (Torquemada) kann damit nicht dienen. Auch vom geilen Bürgermeister ist sie wenig angetan, und ihr Verse drechselnder Liebhaber ist impotent. Doch mitten im ärgsten Frust erspäht sie den knackigen Bizeps eines jungen Maultiertreibers. Problem gelöst.
John ...

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Opernwelt Mai 2007
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Andrew Clark

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