Herz aus Glas, blind wie die Liebe?

Peter Eötvös, «Schwerpunktkomponist» des Wien Modern Festivals 2013, steuerte eine Uraufführung bei: «Paradise reloaded (Lilith)»

Opernwelt - Logo

Lilith, die erste Frau Adams, aus Lehm geschaffen wie er und nicht aus seiner Rippe; die Unbotsame, die der Männer Macht – und damit auch die eines vermeintlich männlichen Gottes – zum Lachen findet. Lilith, die beim Sex immer oben liegen will und schließlich, verbannt, protestierend das Paradies verlässt, um sich im Dämonenreich umzutun. Lilith, das role model der emanzipierten Frau – sie lamentiert am Schluss der Oper «Paradise reloaded (Lilith)» von Peter Eötvös: «Mein Herz, siehst du’s, es ist aus Glas. Es wird blind wie die Liebe, die es trug.

Von der Welt bleibt nichts, nur Betrug...».

Was soll man dazu sagen? Vielleicht Tucholsky zitieren: «Kitsch ist das Echo der Kunst»? Da echote es unlängst gewaltig in der Halle B des Wiener Museumsquartiers bei dieser Uraufführung (durch die Neue Oper Wien, gesponsert von der Ernst von Siemens-Musikstiftung und in Kooperation mit dem Festival Wien Modern). Und das Echo schallte weniger in Zusammenhang mit der Musik als mit dem Text. Im Grunde kann man nur bestätigen, was Stephan Mösch vor drei Jahren zum Schwesterstück «Tragödie des Teufels» anmerkte (siehe OW 4/2010): Das Libretto ist in seinem Überfliegereifer so bieder wie in seinen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Gerhard Pesché

Weitere Beiträge
Chicago: Magisch-matte Traurigkeit

Bei einem Großformat wie «Parsifal» summieren sich künstlerische Entscheidungen zu ansehnlicher Lebenszeit: Was Pierre Boulez 1970 in gut dreieinhalb Stunden verhandelte, dafür ließ sich James Levine 1990 eine geschlagene Stunde mehr Zeit. Von Richard Strauss stammt das Bonmot, der Meister habe «Parsifal» schon sehr langsam komponiert, dazu brauche man nicht durchs...

Freiburg: Memento Mori

Schon wenn wir das Freiburger Theater betreten, sitzt er vorm Vorhang. Später streift er wie ein Geist, wie ein lebender Fingerzeig umher, und wenn nicht, lehnt er hinten an Stefan Rieckhoffs Rundhorizont. Herzog Friedrich von Österreich ist immer dabei. Von den Franzosen ermordet, ­beherrscht er das Fühlen und Trachten seiner Schwester Elena in jedem Augenblick....

Hamburg: Flammender Ehrgeiz

So omnipräsent Verdis Glanzstücke der mittleren und späten Jahre sind – die meisten frühen Opern seiner schaffenswütigen «Galeerenjahre» blieben fast unbeachtet. Ausnahmen bestätigen die Regel. Simone Young, Generalmusikdirektorin und Intendantin der Hamburgischen Staatsoper, hat unter dem Motto «Verdi im Visier» eine Trilogie der so ungewöhnlichen wie kompakten...