Heroine mit Herz
Am Anfang war Astrid Varnay. Ihr verdankte ich den persönlichen Kontakt zu Birgit Nilsson. Ich wollte mit der großen schwedischen Sopranistin über ihr Leben und ihre Kunst reden. Sie hatte sich schon weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, gab nur noch selten Interviews. Ein lapidares Fax aus Schweden erreichte mich, einen Tag nachdem ihre Freundin Astrid sie angerufen hatte: «Ich bin bereit.» Ich schickte Terminvorschläge in Richtung Schweden. Mir war jedes Datum, jeder Ort der Welt recht. Birgit Nilsson antwortete prompt.
Schon diese Zuverlässigkeit und Schnelligkeit beeindruckte. Sie hatte in diesem Sommer viel Zeit. Ihre Reisetätigkeit als Jurorin, Talkshow-VIP, Masterclass-Pädagogin oder Ehrengast diverser Veranstaltungen hatte sie peu à peu reduziert. Sie lud mich zu sich nach Hause ein. Nicht in ihren heimatlichen Bauernhof, der von Touristen und Neugierigen umlagert wurde. Den mied sie schon lange. Sie lebte, um ihre Ruhe zu haben, auf dem abgelegenen Hof ihres Mannes.
Das schwedische Wetter zeigte sich von seiner besten Seite. Blauer Himmel, Schäfchenwolken, ein warmer Sommertag. Ich fuhr also von Trelleborg aus, wo die Fähren ankommen, mit dem Wagen Richtung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In den Tagen der Uraufführung von Aulis Sallinens Oper «Kullervo» 1992 brannten in Los Angeles, wo die finnische Nationaloper zu Gast war, die Straßen: Unter Jugendlichen brach sich die aufgestaute Frustration in Zerstörungen Bahn. Das Produktionsteam empfand damals diese Ereignisse wie einen Fingerzeig auf die Aktualität des neuen Stücks.
Sallinens Oper basiert auf...
Tito liebt Berenice, muss aber aus Gründen der Staatsräson auf sie verzichten. Sesto, Titos engster Freund, ist Vitellia hörig. Für diese aber, die Tochter des gestürzten Imperators Vitellius, ist Liebe eine kalte Zweckbeziehung – sie möchte auf den Thron, einerlei ob durch die Heirat mit Tito oder einen erfolgreichen Umsturzversuch Sestos. Die Rede ist von...
Von ihrer Dramaturgie her kann der «Salome»-Neuinszenierung des Mannheimer Nationaltheaters ohne weiteres zugestimmt werden. Gabriele Rech überfrachtet die Vorlage nicht durch weit hergeholte Assoziationen. Zentraler Ansatzpunkt: Die Titelfigur ist kein sexbesessenes männermordendes Ungeheuer. Im Text ist bekanntlich keine Rede vom sadistischen Monster, und die...
