Geschichten aus Tschirikistan
Alle Jahre wieder zeigt sich ein Gespenst auf deutschsprachigen Bühnen: Lortzings «Zar und Zimmermann». Einst ebenso oft gezeigt wie der «Freischütz» und «Fidelio», geistert das Stück nur noch als phantom of the opera durchs Land, omniprominentes Mitglied einer scheintoten Gattung namens Spieloper.
Der Mentalitätswandel, schon klar. Und ein Kulturverlust.
Richard Wagner verdankte Lortzing wesentliche Anregungen, in mehreren seiner Musikdramen sind Einflüsse aus «Zar und Zimmermann», «Coramo», «Hans Sachs» und «Waffenschmied» detailliert nachweisbar; Gustav Mahler dirigierte in Hamburg und Wien wiederholt Bühnenwerke Lortzings; Fritz Wunderlich, Dietrich Fischer-Dieskau, Hermann Prey und Lucia Popp erhoben ihre Stimmen für den «Zaren», und das nicht nur einmal. Selbst wenn es heutzutage noch Künstler dieses Kalibers gäbe – für eine deutsche Opéra-comique würden sie sich kaum engagieren (lassen).
Gehören Lortzings Spielopern in die Provinz verbannt? Leipzig und Wien (Volksoper) haben sich zuletzt dem Trend widersetzt; an die Spree kehrt «Zar und Zimmermann» nach jahrzehntelanger Pause zurück – und hält sich recht gut über Wasser. Allerdings droht der Kahn gleich beim Stapellauf ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Panorama, Seite 64
von Volker Tarnow
Den Anachronismus jedweder Aufführung von Musik, die mehr als zwei, drei Generationen alt ist, demonstriert verblüffend, irritierend – jedenfalls viele Fragen aufwerfend – der Countertenor Jakub Józef Orliński mit seinem Album «if music…». Unter der Prämisse stilistischer Kohärenz hebt er radikal die Wahl der Mittel auf.
Zunächst scheint die Begleitung eine...
Technologien, Algorithmen, virtuelle Realitäten und digitale Ablenkungen beherrschen jetzt schon unser Leben. Als Menschen kommen wir der Zukunft kaum noch hinterher. Die Uraufführung «Passion of the Common Man» geht noch einen Schritt weiter – in eine Welt, die technologisch so weit fortgeschritten ist, dass alles Natürliche verblasst. Zuneigung kann simuliert...
Ein Drama ist’s, ein gar schauerliches dazu. Und gleich in der ersten Strophe von Heines Ballade «Ritter Olaf» werden die katastrophischen Dimensionen dessen, was danach geschieht, schon in Umrissen deutlich: «Vor dem Dome stehn zwei Männer, / Tragen beide rote Röcke, / Und der Eine ist der König / Und der Henker ist der andere.» Und die dritte, möchte man...
