Helau!

Offenbach: Die schöne Helena am Staatstheater Mainz

Opernwelt - Logo

Selbst der liberalste Kosmopolit bezweifelt gelegentlich, dass die Kunstwerke sämtlicher Völker tatsächlich von Angehörigen sämtlicher Völker verstanden werden. Beziehungsweise angemessen interpretiert werden können. Schrieb Bruckner etwa für Burmesen? Liegen die Waiata-Gesänge der Maori auch den Gächinger Kantoristen gut in der Kehle? Und sollte man Sauerländern wirklich gestatten, Tango und Maxixe zu tanzen? Ein besonders fataler Fall misslungener Aneignung ist Jacques Offenbach, der boshafte Maître de plaisir des Zweiten Kaiserreichs.

Mag noch so viel kölscher Humor in ihm stecken – deutsche Bühnen kommen mit seiner Muse selten klar. Es fehlt an Esprit und Gaîté, und es fehlen die echten Knallchargen und Soubretten. So wurden wir nicht in die Salle Favart im 2. Pariser Arrondissement entführt, sondern in die Meenzer Fassenacht. Es ging lustig zu, der Witz eher vordergründig als hintersinnig, die Optik erwartungsgemäß auf griechische Klischees gestellt: Gyros am Schnellimbiss, die Götter als Olympioniken, der Himmel blau-weiß inklusive blau-weißer Luftballons – alles nett anzusehen, und vielleicht reicht das auch. Über die sängerischen Leistungen kann man ebenfalls streiten; ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Volker Tarnow

Weitere Beiträge
Dichtertreffen in Weimar

Als die deutsche Armee im Juni 1940 in Paris einmarschierte, protokollierte Marcel Jouhandeau, sein Leben sei nie so tragisch gewesen wie an jenem Tag. Doch die Einschätzung des schwulen katholischen Romanciers, der 1933 einer Versammlung der kommunistischen Partei beiwohnte und André Gide applaudierte, wandelte sich zusehends. Zur Veröffentlichung der...

Alleluja!

Wie der Tag des Jüngsten Gerichts klingen könnte? Er könnte so klingen wie in der Motette «In furore iustissimae irae» von Antonio Vivaldi: herb, heftig, markerschütternd. Gleich die erste Arie lässt – aus gegebenem Anlass für Altstimme transponiert – keinen Zweifel daran: Gott zürnt dem Menschen, weil dieser ein Sünder ist, der sich einfach nicht bessern will. Und...

Zu nobel für die Bühne

Wieviel Feinheit verträgt die Kunstform Oper? Charles Gounod schrieb für «Roméo et Juliette» eine außerordentliche Musik: gelehrt in der Verwendung traditioneller polyphoner Techniken, gediegen in ihrem wohltönenden, kunstvoll ausbalancierten Stimmensatz, raffiniert in der Aufbietung aparter Klangeffekte. Vom «großen Pinsel» machte Gounod ungern einmal Gebrauch, er...